KI & Robotics

Künstliche Intelligenz (KI): Leben mit smarten Maschinen

Wir sind permanent von ihr umgeben. Oft hilft sie uns im Alltag, ohne dass wir es überhaupt bemerken: künstliche Intelligenz. Sie mäht den Rasen, saugt die Wohnung und wählt abends auf der Couch unsere Lieblingsserie für uns aus. Durch sie werden Sprachassistenten wie Siri und Alexa zuverlässige Helferlein. Wir integrieren sie in unseren Alltag wie einen guten Freund und Begleiter. Wir trauen ihr viel zu; wissen, dass sie unser Leben leichter, schneller und fortschrittlicher macht. Sie ist uns ganz nah und gleichzeitig doch auch sehr fremd. Was kann künstliche Intelligenz eigentlich? Ist sie vielleicht sogar intelligenter als wir? Was können wir mit ihr machen – und, vielleicht noch wichtiger: Was macht sie mit uns?

Hey Alexa, was ist eigentlich künstliche Intelligenz? Alexa: „Künstliche Intelligenz ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens befasst.“ Die Erklärung einer intelligenten Maschine, was KI ist, kommt noch etwas spröde daher. Deshalb versuchen wir´s in diesem Text mit althergebrachter, journalistischer Intelligenz. 

Automatisierung intelligenten Verhaltens – was heißt das genau?

Einfach erklärt, basiert KI auf einem Algorithmus, also einem Computercode. Dieser macht es möglich, dass Maschinen eigenständig Aufgaben bearbeiten und erledigen können. Welche Aufgaben das sind, entscheidet der Programmierer. Dennoch sprechen wir von (künstlicher) Intelligenz, weil Forscher Algorithmen so entwickeln, dass diese Daten zum Beispiel über so genannte neuronale Netze oder Entscheidungsbäume klassifizieren und zuordnen können.

Das befähigt die Maschinen dazu, ihnen zu gewiesene Aufgaben „clever“ auszuführen. Bedeutet: Maschinen können mithilfe künstlicher Intelligenz schlussfolgern, lernen und denken – wie wir Menschen. Oder eben doch nur fast wie wir. Denn die Wahrheit ist: Selbst „ein vierjähriges Kind ist auch der artifiziellsten künstlichen Intelligenz noch immer weit überlegen“, schreibt ERGO Chief Digital Officer Mark Klein in seinem ersten Blog-Beitrag hier auf //next. Daher spricht bei der heute vorherrschenden, maschinellen Intelligenz von einer „schwachen“ KI, die auf eng umgrenzte Aufgaben trainiert wurde. Im Gegensatz zu einer starken KI, die menschliche Intelligenz tatsächlich nachbildet. Letzteres ist noch Zukunftsmusik – ganz klar!

KI leistet bereits Erstaunliches

Dennoch kann KI in vielen Bereichen bereits Erstaunliches leisten. Während Serviceroboter oder die Sprachsteuerung im Smartphone noch wie kleine Spielereien wirken, können KI-Systeme in anderen Bereichen für uns bereits ein verlässlicher „Partner“ sein. Denn ob Radiologie, Dermatologie oder Onkologie; ob KI-basierte Chatbots wie Ada for Doctors oder intelligente Bildverarbeitung mit Radiomics: Mediziner lassen sich immer öfter bei Anamnese oder Diagnosefindung von KI-Systemen unterstützen. Stichwort: „Decision Support“. Auf diese Weise kann künstliche Intelligenz also durchaus Leben retten.

Manchmal sorgt sie aber auch dafür, überhaupt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Die Seeing Al App von Microsoft beispielsweise unterstützt Menschen mit Beeinträchtigung im Alltag, indem sie die Umgebung für Blinde beschreibt und sortiert. Die Arya-App wiederum hilft dagegen Menschen, die an Depression erkrankt sind, ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Wie? Indem sie von Verhaltensmustern lernt und genau im richtigen Moment eine Aktivität vorschlägt, die dem User guttut. 

Ein Revolutionär in der Arbeitswelt

Auch in der Industrie sind KI-Systeme echte Spezialisten: Durch sie können Produktionsprozesse effizienter und flexibler denn je geplant werden. Außerdem erkennen sie mögliche Fehler und Fehlprozesse schneller, als jeder menschliche Mitarbeiter es könnte. Beispiel Smart Factory: Hier sind alle Maschinen miteinander vernetzt und können die eingehenden Daten während der Produktion analysieren und vergleichen – in Echtzeit. Ganz gleich ob Fabrik- oder Bürojob: Die Arbeitswelt ist heute schon voller „Mitarbeiter“, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind.

Schätzungen zufolge setzen mehr als die Hälfte aller Unternehmen KI in irgendeiner Form ein. Völlig neue Produkte und Geschäftsfelder entstehen. Das feiern viele als technische Revolution. Andere haben Zweifel oder auch Angst – zum Beispiel vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes. „KI ist ein Jobstifter, kein Jobkiller“, sagt allerdings das Zukunftsinstitut. Denn KI verschiebt das Jobspektrum nur in Richtung höherer Komplexität. Tatsächlich übernehmen Maschinen bisher vor allem Aufgaben, die einem gewissen Muster folgen – und die wir Menschen daher oft dankend abgeben.

Die Versicherungsbranche setzt beispielsweise immer mehr auf Insight Engines: KI-Systeme, die eingehende Kundenanfragen blitzschnell sortieren, kategorisieren und alle relevanten Daten zusammenfassen. So auch ERGO. Mehr als 90 Prozent der eingehenden E-Mails, die keinem konkreten Empfänger zugeordnet sind, werden inzwischen von einem trainierten KI-System direkt an die korrekten Zieladressen weitergeleitet. So sparen die Sachbearbeiter Zeit und Nerven und können schneller in den direkten Kundenkontakt treten.

Potential nutzen, Kontrolle behalten – ein Balanceakt

Nicht nur im Job, auch sonst wäre ohne KI vieles nicht möglich oder langsamer und ungenauer. KI eröffnet uns neue Wege und Zukunftsvisionen. Aber können wir Schritt halten? Wichtig ist: KI darf sich nicht unserer Kontrolle entziehen. Die Anwendung von „cleveren“ Maschinen muss durch gesetzliche Rahmenbedingungen reguliert und begrenzt werden. Anders gesagt: KI-Systeme sollen selbstständig agieren, aber nur unter unserer Aufsicht.

Was widersprüchlich klingt, ist enorm wichtig. Warum weiß der Musik-Streaming-Dienst, welche Songs mir gefallen? Woher weiß das Navigationssystem, welche Anschrift ich mein Zuhause nenne? Wie kann das Fitnessarmband wissen, dass die heutige Laufstrecke länger war als die von letzter Woche? All das ist nur möglich durch die Unmengen an Daten, die KI-Systeme über uns sammeln oder auf die sie zugreifen, um funktionieren zu können. Wir müssen unsere Daten preisgeben, um das Potenzial fortschrittlicher Technologie für uns zu nutzen.

Wir müssen aber auch darauf vertrauen können, dass unsere Daten sicher sind – sicher in unserem Handy, in unserem Navi und in unserem Fitnessarmband. Der Philosoph Richard David Precht warnt: „Künstliche Intelligenz ist im weitesten Sinne vielleicht intelligent, sie verfügt aber eigentlich überhaupt nicht über Verstand und nicht entfernt über Vernunft!“. (*) Der Zugriff auf die Daten aus unseren Anwendungen muss deshalb bei uns bleiben. Es ist wichtig, die Ergebnisse von Maschinen nicht als gegeben hinzunehmen.

Und: Wir brauchen ethischer Regularien, welche die Privatsphäre der Menschen sicherstellen, Transparenz schaffen und Diskriminierung vorbeugen. Einen solchen Katalog mit ethischen Regeln und Vorgaben auszuformulieren, ist eine große Herausforderung. Werden doch die Möglichkeiten, die uns „clevere“ Computer eröffnen, immer vielseitiger und attraktiver. Selbst „schwache KI mit der Intelligenz eines Wurms kann schaden“, sagt ERGO CDO Mark Klein. ERGO hat sich daher einen KI-Kodex verpasst, der dem Unternehmen konsequent Leitplanken setzt.

(*) Quelle: ARD, Titel Thesen Temperamente: Richard David Precht über künstliche Intelligenz. 

Künstliche Intelligenz verändert unsere Gesellschaft nachhaltig

Das volle Potenzial der KI-Systeme nutzen und sie im gleichen Tempo „menschengerecht“ in die Gesellschaft zu integrieren – ein schwieriger Balance-Akt, vor dem wir allerdings nicht davonrennen können – und wollen. Denn klar ist: Künstliche Intelligenz hat unsere Gesellschaft bereits nachhaltig verändert. Und die KI-Forschung gibt selbstbewusst Prognosen für die Zukunft:

Künstliche Intelligenz wird demnach dabei helfen, Lösungen für grundlegende Probleme der Menschheit zu finden und sie auch umzusetzen: Im Bereich der Medizin könnte KI bei der Entwicklung von neuen und wichtigen Medikamenten eine entscheidende Rolle spielen. Eine große Chance für die Zukunft hier ist die Beschleunigung der Wirkstoffentwicklung, so dass mehr neue Wirkstoffe schneller auf den Markt kommen.

Und auch beim Kampf gegen die Klimakrise ist KI bereits eine starke Waffe: Ausgereifte Hausenergie-Managementsysteme können den Stromverbrauch optimieren. Intelligente Prognoseverfahren und Netze den Strombedarf und auch die Stromproduktion garantieren. Nach Auffassung der Deutschen Energie-Agentur ist KI eine Schlüsseltechnologie, um die Energieeffizienz weltweit zu erhöhen.

Derzeit werden vor allem unbeliebte und monotone Arbeiten an KI-Systeme abgegeben. Auf Dauer aber werden die „cleveren“ Maschinen vor allem auch gefährliche Tätigkeiten – zum Beispiel bei Rettungseinsätzen – für uns erledigen. Weiter noch: Sie können Gefahren abwenden. Bereits jetzt kann KI durch die schnelle Auswertung von Unmengen an Wetterdaten zum Beispiel vor Katastrophen warnen. Mit der Zeit werden die Maschinen auch hier immer effizienter. Aber wie die Zukunft genau aussehen wird, das weiß heute niemand. Auch nicht Alexa.

Text: Ron Voigt