KI & Robotics

Wo fängt Kreativität an – und wo hört sie auf?

Die Bildagentur Getty Images hat kürzlich erklärt, dass es Werke, die durch künstliche Intelligenz (KI) erschaffen wurden, unter Berufung auf Urheberrechtsprobleme verbieten wird. Aber ist dies die richtige Entscheidung? Immerhin hat ein KI-Bild dieses Jahr den ersten Preis im Kunstwettbewerb der Colorado State Fair gewonnen – und die Bukarester Biennale wurde gar von einem KI-Programm kuratiert!

AI and creativity

Als Reaktion auf die zunehmenden Bedenken einiger Gruppen und Kunstorganisationen, die befürchten, dass KI die (Kunst-)Welt übernehmen könnte, haben kleinere Bild- und Inhaltswebsites wie Newgrounds und PurplePort bereits ähnliche Verbote verhängt. Getty hat sich dieser Gruppe angeschlossen und entschieden, die Überwachung der Fotos auf seiner Plattform zu verschärfen: Alle Bilder, die mit Software wie Stable Diffusion, DALL-E 2 und Midjourney erstellt wurden, werden verboten.

Lässt sich ein KI-Kunstwerk urheberrechtlich schützen?

Der Rechtsstreit um diese Angelegenheit ist noch nicht beigelegt, so dass unklar ist, ob sich ein KI-Kunstwerk als vollwertig anerkennen und urheberrechtlich schützen lässt. Meist werden Kunstwerke zudem als Wertgegenstände eingestuft. Doch damit ein Objekt als Kunstwerk gilt, muss es eine entsprechende Herkunft (d. h. der Autor ist ein anerkannter Künstler oder das Werk wurde auf seine Anweisung hin geschaffen), einen Wert und natürlich auch Authentizität aufweisen.

Doch wie sieht es nun mit KI-Kunstwerken aus: Handelt es sich um echte Kunst, die sich rechtlich und versicherungstechnisch schützen lässt? Diese Diskussion wurde bereits durch den Preisträger des jährlichen Kunstwettbewerbs der State Fair in Colorado angestoßen – eine digitale Collage, die von einer künstlichen Intelligenz erstellt wurde.

Das Werk „Théâtre d'Opéra Spatial“ ist Jason Allen via Midjourney zugeschrieben, womit sowohl die Software, mit der die Bilder kombiniert wurden, als auch der Künstler, der das Endprodukt eingereicht hat, benannt sind. Das Endergebnis ist eine kunstvolle Barockszene mit klassischen Skulpturen und einem himmlischen Licht, das seltsam vertraut erscheint. Kritiker wiesen darauf hin, dass der Siegerbeitrag durch das Zusammenfügen von Fotos in einem Stil erstellt wurde, der eher an einen Remix als an originelle Produktion oder Kreativität erinnert. 

Künstliche Intelligenz als Werkzeug für digitale Künstler 

Kann man das Urteil als kontrovers bezeichnen? Die Regeln des Wettbewerbs erlauben jede „künstlerische Praxis, die digitale Technologie als Teil des kreativen Prozesses oder der Präsentation des Werks einsetzt“, wobei der Künstler selbst anmerkte, dass seiner Ansicht nach künstliche Intelligenz ein Werkzeug für den digitalen Künstler ist – so wie ein Pinsel ein Werkzeug für einen Maler ist.

Aber nicht nur Künstler dürfen sich Sorgen machen, dass künstliche Intelligenz sie unterminieren könnte. Die Bukarester Biennale, die in diesem Jahr stattfand, wurde von einem KI-Programm namens Jarvis geplant. Jarvis wurde von Deraffe Wien unter der Leitung des rumänischen Softwareentwicklers Răzvan Ionescu entwickelt, der den Algorithmus für die Auswahl von Künstlern und die Erstellung eines kuratorischen Konzepts auf der Grundlage einer Reihe von Kriterien zu einem bestimmten Thema programmierte.


Fairness, Rückverfolgbarkeit und Transparenz

Es ist klar, dass KI heute ein viel komplexeres Thema ist als früher: Einerseits sind wir begeistert von den Möglichkeiten, die sie mit sich bringt. Andererseits befürchten wir, dass sie uns schaden könnte. Vor diesem Hintergrund beschäftigen wir uns immer mehr mit Themen wie der Interpretierbarkeit von KI.

In der Regel befassen wir uns mit drei Schlüsselkonzepten: Fairness, Rückverfolgbarkeit und Transparenz, die sich übersetzen lassen in die einfachen Worte: „voreingenommen oder nicht, wer oder was und wie oder warum“.

Die Rückverfolgbarkeit ist der Kern des Themas: Wenn man bedenkt, wofür sich Kunst einsetzen lässt – und wie sie sich auf den Menschen auswirkt –, ist es kein Wunder, dass wir ohne eine angemessene Rückverfolgbarkeit (die ohnehin ein Zukunftsthema ist) nicht wollen, dass die Maschinen die Kontrolle übernehmen. Andererseits bedeutet die Tatsache, dass wir alles für uns rückverfolgbar machen müssen, dass wir vielleicht etwas Revolutionäres verpassen.

KI wird unsere Gesellschaft nicht über Nacht umgestalten: Einige dieser Dinge seien noch 50 bis 100 Jahre entfernt, erwartet Paweł Bulowski, Senior Project Manager, AI & Data Division bei ET&S S.A.

Der Prozess jedoch, die rechtliche Stellung von Werken zu definieren, die durch künstliche Intelligenz geschaffen wurden, geht unvermindert weiter. Solange keine einheitliche Definition darüber vorliegt, ob wir sie als vollwertige Kunstwerke werten oder nicht, können wir die Möglichkeiten der aktuellen Technologie einfach nur bestaunen.