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Akku oder Wasserstoff: Was ist der bessere Energiespeicher für Elektromobilität?

Immer ausgefeiltere Akkus verhelfen der Elektromobilität aktuell zum Durchbruch. Doch was ist mit Wasserstoff – wäre dieser Energielieferant nicht die bessere Alternative? Ein Kommentar von //next-Kolumnist Don Dahlmann.

Für Helmut Diess gibt es keine Alternative: Das Elektroauto soll die Zukunft seines Konzerns sichern. Mit dieser Meinung steht der VW-Chef nicht alleine da. Weltweit wechseln immer mehr Autohersteller zu Elektroautos. Angetrieben von neuen, strengen Regularien, die einen scharfen Einschnitt beim CO2-Ausstoß der Fahrzeuge verlangen, werden immer mehr E-Autos auf den Markt gebracht. Der US-Hersteller Tesla macht das schon seit fast zehn Jahren, und der Gründer des Unternehmens, Elon Musk, sieht keine Alternative zu Batterien, welche die Energie für die Fortbewegung zur Verfügung stellen.

Tatsächlich scheinen moderne Lithium-Ionen-Batterien, die in jedem E-Auto ihre Anwendung finden, eine sehr gute Lösung zu sein. Liefern sie doch genug Energie, um ein zwei Tonnen schweres Auto mehr als 600 Kilometer weit fahren zu lassen. Und in Zukunft sollen neue Technologien die Reichweite sogar noch weiter erhöhen. Und die Hersteller haben damit angefangen, Hunderttausende der Batterie-Fahrzeuge zu produzieren und zu verkaufen. Aber gibt es auch Experten, die von den Energiespeichern weniger begeistert sind.. 

 

Was an Batterien (noch) kritisch ist

Die Liste ihrer Kritikpunkte ist lang: Da wäre zum einen die Produktion der Batterie selber, die viel Energie und Ressourcen verschlingt. Wohl am bekanntesten ist die Diskussion um das Element Kobalt, das in allen Batterien Anwendung findet. Kritiker weisen darauf hin, dass Kobalt etwa im Kongo unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut wird. Einige Hersteller haben mittlerweile reagiert. Viele haben die Zulieferer in die Pflicht genommen sich an internationale Sozialstandards zu halten – und lassen dies auch von unabhängigen Behörden überprüfen. Andere verzichten komplett auf den Kauf von Kobalt aus dem Kongo.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Lebensdauer der Batterie. Recycling ist teuer und findet nur selten statt. Allerdings haben die großen Akkus in den Autos oft ein zweites und drittes Leben vor sich, indem sie anschließend etwa als Hausspeicherakkus in Privatwohnungen wandern oder werden als Notstromakkus verwendet werden. Bis zu 30 Jahre soll eine moderne Batterie halten. Bis diese 30 Jahre vorbei sind, könnte sich eine Lösung für das Recycling-Problem gefunden haben, so die Hoffnung.

Der größte Nachteil der Elektromobilität liegt allerdings im Zeitverlust: Es kostet rund eine halbe Stunde, um einen Auto-Akku auf 80 Prozent zu laden. Und das geht auch nur, wenn ein Schnelllader zur Verfügung steht, die aber noch eher selten sind. Die langen Ladezeiten schrecken viele Kunden noch ab.

Aber es gibt noch eine andere Lösung, um ein E-Auto zu betreiben. Statt eines Akkus kann man auch eine Brennstoffzelle nutzen. In der wird Wasserstoff in elektrische Energie umgewandelt, die dann wiederum das Auto antreibt. Die Brennstoffzelle produziert als Abfallprodukt nur Wasser und die Tanks sind in drei bis fünf Minuten vollgeladen.

Wasserstoff: bitte „grün“ erzeugen!

Warum setzen also alle auf Batterien, wenn sich mit Wasserstoff eine ähnliche Reichweite erzielen lässt – und das Tanken obendrein noch schnell von statten geht? Das Problem ist die Herstellung von Wasserstoff: Er wird aktuell zu 95 Prozent aus Kohle gewonnen. Bei dieser Form der Herstellung fällt mehr CO2 an als bei der Herstellung von Benzin oder Diesel.

Zwar lässt sich auch Wasserstoff so produzieren, dass keinerlei CO2 anfällt. Die Technologie dafür ist vorhanden. Das Problem ist aber, dass es bisher keine Möglichkeit gibt Wasserstoff, auf diesem Weg in den gewünschten Mengen zu produzieren. Dazu müsste man sehr viel Geld investieren. Warum sollte man sehr viel Solarenergie in Wasserstoff umleiten, wenn man den Strom auch direkt in die Batterien der Fahrzeuge leiten kann?

Ganz gestorben ist die Idee mit dem Wasserstoff aber deshalb nicht: Daimler, Hyundai und Toyota haben Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb im Programm – und auch andere Hersteller wollen nachziehen. Die Idee dahinter ist, dass durch den vermehrten Ausbau der regenerativen Energien auch die Wasserstoffherstellung irgendwann profitabel wird. Bis aber soweit ist, wird der Akku weiterhin den Markt für strombetriebene Autos dominieren.

Text: Don Dahlmann