New Mobility

Gehört der Bahn die Zukunft?

Bahnfahren ist sicher und bequem. Leider ist aber auch langsam und meist sehr teuer. Doch das könnte sich in Zukunft ändern, meint //next-Kolumnist Don Dahlmann.

Wenn man sich anschaut, welche Beförderungstechnologie den geringsten ökologischen Fußabdruck hat, landet man schnell bei der Bahn. Kein Verkehrsmittel stößt pro Person weniger CO2 aus und ist dabei in der Lage, schnell und sicher große Distanzen zu überwinden. Bis in die 60er Jahre war die Bahn das Transportmittel Nummer Eins. Legendäre Züge wie der „Trans Europa Express“ verbanden die Metropolen in Europa mehrfach täglich und wurden, trotz eines erhöhten Ticketpreises, gerne genutzt. Doch dann begann der Aufstieg des Autos und vor allem des Flugzeugs. Letzteres hatte gegenüber dem Zug vor allem den Vorteil, deutlich schneller zu sein. Mit steigenden Passagierzahlen fielen nach und nach die Ticketpreise, bis sie auf dem heutigen Niveau angekommen waren.

Der Aufstieg des Autos und vor allem des Flugzeugs machte die Bahn zwar nicht überflüssig, aber statt die europaweiten Verbindungen auszubauen, wurden die Projekte fast komplett eingestellt. Einzig die Verbindung von Deutschland nach Paris und zwischen London und Paris wurden erweitert und verbessert. Und gerade der Euro-Tunnel zwischen Großbritannien und Frankreich zeigte, dass schnelle Zugverbindungen den Flugverkehr erheblich reduzieren können. Zwei Stunden beträgt die Fahrt von London nach Paris. Da braucht man schon zum Flughafen länger. 

 

Zentrale Lage ist von Vorteil

Züge haben weiter einen enormen Vorteil bei der Infrastruktur. Bahnhöfe befinden sich meist direkt in den Städten, während die Flughäfen weit außerhalb liegen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Flughäfen in München und der endlich fertig gestellte BER Flughafen in Berlin. In beiden Fällen benötigt man rund eine Stunde in die Stadt oder zurück. Die Fahrtzeiten sind so lang, dass man selbst von Berlin aus mit dem Zug schneller in München ankommt als mit dem Flugzeug.

Den zeitlichen Vorteil hat man aber nur auf den Hochgeschwindigkeitstraßen, und davon gibt es in Europa kaum welche. Ganz anders sieht das mittlerweile in China aus. Seit einigen Jahren rauscht da ein Zug mit bis zu 350 km/h zwischen Peking und Shanghai hin und her. Die Fahrtzeit beträgt ungefähr fünf Stunden zwischen den beiden Metropolen. Das Beeindruckende ist die dabei zurückgelegte Strecke von 1.300 Kilometern. Das entspricht der Entfernung zwischen Leipzig und Barcelona. 

Ist Hyperloop die Lösung?

Es könnte sogar noch schneller gehen, wenn man den Entwicklern des Hyperloop Glauben schenken mag. Dabei handelt es sich um einen Zug, der in einer Vakuum-Röhre unterwegs ist und Geschwindigkeiten von bis 1000 km/h erreichen kann. Die oben angesprochene Fahrt von Leipzig nach Barcelona würde sich dann auf rund zwei Stunden reduzieren. Wer braucht dann noch ein Flugzeug?

Hinter der Idee steckt unter anderem Elon Musk, der mit seinem Unternehmen Tesla E-Autos baut und mit SpaceX den Weltraum erobert. Erste technische Versuche mit dem Hyperloop wurden schon erfolgreich abgeschlossen, und es gibt Interesse aus vielen Ländern. Vor allem Nationen, die bisher über keine ausgebaute Infrastruktur verfügen – aber große Distanzen überbrücken müssen, haben Bedarf an dieser Technologie.

Europas Metropolen verbinden

Aber natürlich hat die Sache mit dem Hyperloop auch ein paar Haken. Zum einen muss man eine komplett neue Infrastruktur aufbauen. Die Züge benötigen ja eine Röhre, in der sie fahren. Die kann man überirdisch auf Stelzen bauen oder unterirdisch verlegen. Aber wie baut man eine Röhre, egal ob über oder unter der Erde, quer durch Europa? Allein die Proteste von Anwohnern dürften das Projekt über Jahrzehnte verschleppen.

Der Hyperloop ist eine schöne Utopie, aber im dichtbesiedelten Europa wohl eher nicht umsetzbar. Und warum auch? Die EU verfügt über ein dicht ausgebautes Bahnnetz. Es würde daher günstiger sein, wenn man die vorhandenen Gleise für Hochgeschwindigkeitszüge umbaut. Dass das möglich ist, zeigt die Deutsche Bahn mit verschiedenen Projekten. Benötigt wird dafür allerdings auch der politische Wille seitens der EU-Nationen, in diese Technologie zu investieren.

Und man muss auch nicht in jeden Winkel Europas eine Hochgeschwindigkeitstraße bauen. Es würde schon reichen, wenn man die Metropolen so verbinden würde, dass die Züge sie in unter vier Stunden erreichen könnte. Das würde dem Bahnverkehr eine neue Zukunft geben und das nicht gerade ökologisch gesunde Fliegen reduzieren. 

Text: Don Dahlmann