New Mobility

Wie Corona die Mobilität in Städten verändert hat

Nach einem Jahr der Corona-Krise sieht man die ersten Veränderungen in der Mobilität. Es gibt Gewinner, Verlierer und einen unumkehrbaren Trend, analysiert Don Dahlmann in seiner Kolumne für //next.

Außengastro statt Parkplätze in Düsseldorf

Für viele Unternehmen war das vergangene Jahr finanziell eine Katastrophe. Da machte die Mobilitätsbranche keine Ausnahme. Besonders hart betroffen waren der öffentliche Nahverkehr, der Luftverkehr und die Sharingbranche. Während der ÖPNV auf Grund seiner kommunalen Förderung noch vergleichsweise gut davongekommen ist, trudelten viele andere Firmen in Probleme. Dass die Lufthansa mit staatlicher Hilfe am Leben gehalten werden musste, ist bekannt. Für die Unternehmen aus dem Sharing-Segment war die Lage anders. Im Bereich des Carsharings sank die Zahl der angemeldeten Nutzer um 20 Prozent, die Auslastung der Fahrzeuge ging um bis zu 80 Prozent zurück. Auch E-Scooter und Ridesharing Unternehmen litten massiv und konnten sich nur mittels neuer Kredite über Wasser halten. 

 

Furcht vor Ansteckung

Wenig überraschend stieg die Zahl der Autos auf den deutschen Straßen. Vor allem Stadtbewohner, die bisher auf ein eigenes Auto verzichteten, fürchteten sich vor einer möglichen Ansteckung im öffentlichen Nahverkehr auf dem Weg zu Arbeit und legten sich einen Gebrauchtwagen zu. Es wird interessant zu sehen sein, ob sich dieser Trend wieder umkehrt, wenn die Krise vorbei ist. Gleichzeitig haben aber viele Städte die Krise dazu genutzt sich tiefergehende Gedanken rund um die Verkehrsplanung zu machen. Das Auto, so die weitverbreitete Maxime einiger Städte, muss Platz machen. 

Parkplätze am Straßenrand reduzieren

Die meist von chaotischem Verkehr geplagte Stadt Paris ist dabei ein Vorreiter. Die Bürgermeisterin Anne Hildgo verfolgt seit einigen Jahren das Ziel, den privaten Autoverkehr strikt zu reduzieren. Ihre Idee ist, dass jeder Bürger in der Innenstadt ausgehend vom Wohnort innerhalb von 15 Minuten alle wichtigen Dinge erreichen kann. Supermärkte, Behörden, Krankenhäuser, Restaurants und andere Dinge sollen in Zukunft ohne Auto angesteuert werden können. Als erste Schritte hat sie angekündigt circa 70 Prozent der öffentlichen Parkplätze am Straßenrand abzubauen. Gleichzeitig werden in der Innenstadt rund um den Louvre große Bereiche komplett autofrei gemacht. 

Innenstadt ohne Autoverkehr

Auch in Barcelona plant man radikale Änderungen. Wer schon einmal die Stadt besucht hat, weiß, dass die katalonische Hauptstadt in große Blöcke unterteilt ist. Nun plant die Stadtverwaltung diese Blöcke komplett von Autos zu befreien. Damit würden in der Innenstadt über 60 Prozent aller Straßen in Barcelona in Zukunft ohne Autoverkehr sein. Man hat ausgerechnet, dass man so die Zahl der Autofahrten pro Woche von 1,2 Millionen auf gerade mal 230.000 Fahrten senken kann. Dies würde auch die CO2-Belastung in der massiv senken. Gesundheitsexperten rechnen damit, dass sich so bis 300 Menschenleben pro Jahr retten lassen. 

Pop-Up-Radwege

In Deutschland gibt es Bestrebungen den Verkehr in den Städten zumindest zu reduzieren. Die sogenannten "Pop-Up-Fahrradwege" werden in vielen Städten in permanente Spuren für Fahrradfahrer umgewandelt. In Berlin überlegt man zudem auf den meisten einspurigen Straßen in der Stadt Tempo 30 einzuführen. Vorbild ist auch hier Spanien, die dieses Tempolimit Anfang des Jahres im ganzen Land zum Standard gemacht haben. 

Umweltbelastungen senken

Diese Änderungen sind aber nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird. Die Einführung von elektrischen und autonomen Fahrzeugen wird den Autoverkehr in Zukunft massiv verändern. E-Autos werden die Städte ruhiger machen und die Umweltbelastungen senken. Autonome Autos werden vor allem den privaten Transport verändern. Wer benötigt noch ein Auto, wenn man per App ein autonomes Taxi bestellen kann? Dinge wie die mühsame Parkplatzsuche werden damit wegfallen. Für die eigene Mobilität muss man sich nicht mehr für viel Geld ein Auto zulegen, das 95 Prozent seiner Lebenszeit nur steht. Man bucht die Mobilität dann, wenn man sie benötigt. Und zahlt auch nur dann dafür. 

Die Lebensqualität steigt

Gewinner sind also auf jeden Fall die Fahrradfahrer und Anwohner, die schon jetzt mehr Platz haben. Die Lebensqualität steigt durch weniger Lärm und geringerer Emissionen in den Städten. Auch der Einzelhandel und vor allem die Restaurants und Bars werden die Verkehrsberuhigung begrüßen. Wo weniger Autos parken gibt es mehr Platz für Tische draußen. Die Corona-Krise hat Veränderungen ausgelöst, die die Lebensqualität der Städte massiv verbessern werden.

Text: Don Dahlmann