Smart Data

„Creative Data“ oder: Wie sich ein Datensatz kreativ nutzen lässt 

Creative Data, Smart Data und Big Data: Drei in den Medien häufig gebrauchte Schlagwörter, die unter anderem dafür stehen, dass große Mengen von Daten Rückschlüsse auf Konsumentenverhalten zulassen. Sie erlauben Forschung, Wissenschaft und Unternehmen, Erkenntnisse aus der Auswertung von Daten zu generieren. Als kreativer Onliner interessiere ich mich natürlich am meisten für Creative Data, muss es hierbei doch nicht um große Datenvolumen gehen – sondern um kreative Nutzung. Im Folgenden möchte ich euch einige Ideen zeigen, wie Unternehmen Daten – persönliche wie auch demografische - für kreative Kommunikation genutzt haben. 

 

Deutsche Bahn

Ein viel beachtetes Beispiel kommt von der Deutsche Bahn.  Sie zeigt uns bei Facebook auf smarte Weise, dass man nicht in die große, weite Welt hinaus muss, um schöne Plätze zu entdecken. Diese gibt es auch hier zulande, was sehr gut in die Diskussion zum Klimawandel und New Mobility passt. Die Idee wurde übrigens bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie realisiert und hat 2020 sicher nicht an Relevanz verloren.

Das Konzept macht sich die von Facebook generierten Daten unserer persönlichen Vorlieben zunutze, die wir während unserer Aufenthalte dort wie Spuren hinterlassen.

Beispiel gefällig? Sagen wir, ich bin jemand, der gerne verreist – und in meinem Herzen eine spezielle Liebe für New York City trage. Dass Facebook das wahrscheinlich schon vor mir wusste, scheint für den geneigten Konsumenten von Online-Medien nicht weiter überraschend. Die Idee der Deutschen Bahn: Ein Algorithmus verknüpft meine Leidenschaft für den Big Apple mit dem Ticketpreis, den ein Flug nach NYC kosten würde – und bringt sie auf eine mir ausgespielte Werbung für Frankfurt am Main. Die deutsche Stadt eben, die als „Mainhattan“ am meisten Ähnlichkeit mit Manhattan auf Fotos aufweist. Nur dass ein Transatlantikflug eben deutlich mehr kosten würde. Doch seht selbst:

Deutsche Bahn - No need to fly - Around the world in Germany (Ogilvy, Casemovie, 2019)

Spotify

Für großes Aufsehen hat im Jahr 2016 eine Idee des Musikstreaming-Anbieters Spotify gesorgt. Dabei wurden – anonym (!) – die Hörgewohnheiten der Nutzer in einem bestimtmen Zeitraum analysiert – und mit lustigen Texten auf kreativen Plakaten kommentiert. In unterschiedlichen Städten waren dabei unterschiedliche Motive zu sehen, sodass diese aufgrund des oftmals lokalen Bezugs schnell zu erfassen waren. Nach Valentinstag etwa war folgendes Plakat zu sehen:

“Dear person who played ‘Sorry’ 42 times on Valentine’s Day, What did you do?”

Oder in London, zur Brexit Zeit:

“Dear 3,749 people who streamed ‘It’s the End of the World As We Know It’ the day after the Brexit vote, Hang in there.”

Eine andere und besonders beliebte Datenvisualisierung bekommen Spotify-User jeweils am Ende eines Jahres vor Augen gehalten: Dabei werden die Lieblings-Songs des vergangenen Jahres in schönen Diagrammen ebenso angezeigt wie der Prozentsatz an neuer Musik, die man gehört hat und viele weitere Schmankerl des eigenen Nutzerverhaltens, ähnlich wie Instagram-Stories.

Das Ziel dieser Visualisierung zum Jahresende: Musikgeschmack ist etwas sehr Persönliches, und die meisten von uns wollen immer neue (gute) Musik entdecken. Daten der Vergangenheit helfen der Plattform, bessere Empfehlungen zu machen, von denen wir wiederum profitieren. Auch das… „Du hörst nur zu 40% neue Musik“ hat mit dazu bewogen,  im nächsten Jahr mehr neue Musik entdecken zu wollen. Auch hier sprechen wir vor allem von einer Auswertung von Vorlieben, demografische Daten spielen bei der Visualisierung keine Rolle – dies könnte man zum Beispiel durch eine vergleichende Komponente noch hinzufügen, etwa so: „Personen deines Alters und deines Geschlechts haben nicht so viel Miley Cyrus gehört :/“

Movinga

Ein weiteres Beispiel aus Deutschland kommt von Movinga, einem Start-up für Umzüge. Auch hier fällt eine riesiges Maß an Daten an, die sich als Umzugsströme visualisieren lassen. Denn in Großstädten wie Berlin gibt es viele Umzüge und natürlich spielt es eine Rolle, wo die Trends im Umzugsverhalten liegen – nicht zuletzt für die Miet- und Immobilienpreise. Movinga hat seinen Datenschatz aufgemacht und konnte vor einigen Jahren mit Statistiken zeigen, wie sich Berlin verändert:

Pankow is the new black. Jeder fünfte Umzug innerhalb Berlins führt nach Pankow.

Oder:

In Spandau tot überm Zaun hängen? Nur drei Prozent der Umzüge innerhalb Berlins gehen dorthin.

Was mich als Düsseldorfer interessieren würde: Wie viel Leute von Köln nach Düsseldorf ziehen und umgekehrt. Das war leider nicht Teil der Kommunikation –  aber auch mit solchen Fakten über Berlin hat der Nerd in mir seinen Spaß.

Diese Ideen zeigen, was man mit Daten anfangen kann und dass Datenanalysen zunächst einmal nicht bedrohlich sind. Wie auch hier auf unserem Next.ERGO-Portal oft diskutiert wird, ist Datenschutz wichtig. Alle persönlichen Daten kann man sowieso nicht schützen, außer man hat keinen Internet-Anschluss, kein Handy oder andere Technik. Wenn man diese aber nutzt, dann kommen Daten mit Firmen in Berührung – und zuweilen werden sie dann auch für kreative Ideen genutzt. Ein Trend, den wir ausbauen sollten!

Markus Sekulla, 29.09.2020