Smart Data

Eines der größten Cloud-Projekte der Versicherungswirtschaft

ERGO verlagert aufwändige Rechenoperationen in die Rechenzentren der Amazon-Cloudsparte AWS und wird dadurch schneller, effizienter und vor allem: flexibler. „Die Berechnungen der Aktuare werden immer komplexer und wollen in immer kürzerer Zeit durchgeführt werden“, erklärt Projektleiter Timo Greinert. 

Geschäftsmann Hand arbeitet mit einem Cloud-Computing-Diagramm auf der n

Mitte Januar gab es für IT-Experten und Aktuare der ERGO Gruppe einen gemeinsamen Anlass zum Feiern – wenn auch Corona-bedingt natürlich nur virtuell: Nach Monaten enger Zusammenarbeit hatten die Kollegen eines der größten Cloud-Projekt der Versicherungswirtschaft erfolgreich in Betrieb genommen. In einem – „New Fast Close“ genannten – Vorgang hatten sie die ersten rechenintensiven Prozesse in die AWS-Cloud ausgelagert. Weitere sollen folgen.

„Die Berechnungen der Aktuare werden immer komplexer und wollen in immer kürzerer Zeit durchgeführt werden“, erklärt Projektleiter Timo Greinert die Hintergründe der gemeinsamen Kraftanstrengung: „Unser eigenes Rechenzentrum müsste hierfür – etwa für den Jahresabschluss – eine bis zu zehnfache Menge an Rechenkernen vorhalten, die jedoch in den restlichen Zeiten nicht genutzt würden.“

„Nun können wir die notwendigen Modellberechnungen in deutlich kürzerer Zeit durchführen“, ergänzt Ingo Kraus vom ERGO Risikomanagement.

 

Um Faktor sechs beschleunigt

In kürzerer Zeit bedeutet: Wofür das Rechenzentrum mit seinen knapp 400 Prozessoren rund 40 Tage bräuchte, wird nun in der Cloud in weniger als einer Woche berechnet. In der Branche gehöre ERGO damit zu den Vorreitern, verdeutlicht Timo Greinert: „Die Rechenleistung, die uns dort zur Verfügung steht, entspricht der von mehr als 7.000 Prozessoren.“

Über den Partner AWS kommen bei der ERGO Gruppe nun Zukunftstechnologien wie „Infrastructure as a Service“ und Automatisierung durch „Infrastructure as Code“ zum Einsatz, um die für die steigenden Berechnungsanfragen erforderliche Rechenleistung auf Abruf zu liefern.

Wichtig zu wissen: Die dortige Cloud-Umgebung wird in Frankfurt gehostet, entspricht somit strengsten EU-Datenschutzstandards und verarbeitet von ERGO lediglich mathematische und keine personenbezogenen Daten.

Gerüstet für die Zukunft

Zunächst kommt der Umzug den Solvenzberechnungen für Versicherungsprodukte aus Leben und Gesundheit zugute. Perspektivisch ist ERGO mit dieser neuen Cloud-Lösung aber auch bestens gerüstet, um beispielsweise den neuen Bilanzierungsregeln für die Versicherungswirtschaft im Rahmen von IFRS17 gerecht zu werden. Hierfür wird – immer phasenweise – eine enorm hohe Rechenleistung benötigt, die sich über ein herkömmliches Rechenzentrum nicht effizient vorhalten lässt.

Zudem kann die Rechenleistung genutzt werden, um Szenarien im Risikomanagement durchzuspielen: „Künftig können wir unser internes Modell zur Solvenzkapitalberechnung schneller und besser betreiben“, sagt etwa Rasmus Schlömer, Abteilungsleiter im Risikomanagement: „Damit sind wir insgesamt deutlich schneller handlungsfähig und können auch zügiger neue Erkenntnisse und Empfehlungen weitergeben.“

Text: Ingo Schenk