Trends

Das steckt hinter dem Tech Trend Radar 

Seit acht Jahren wirft der Tech Trend Radar von Munich Re und ERGO regelmäßig einen Blick auf die wichtigsten Technologietrends. Das Institute of Electronic Business (IEB) ist seit Beginn mit dabei. Prof. Daniel Michelis, einer der beiden IEB-Direktoren, erläutert die Zusammenarbeit. 

 

Herr Michelis, was genau macht das Institute of Electronic Business?
Unser Institut forscht seit mehr als 20 Jahren an digitalen Trendthemen. Dabei untersuchen wir auch den digitalen Wandel, immer im engen Austausch mit Unternehmen aus der Praxis. Seit 2007 arbeiten wir mit ERGO in unterschiedlichen Projekten zusammen.

Seit acht Jahren arbeitet das IEB gemeinsam mit ERGO am Tech Trend Radar. Wie kam die Kooperation eigentlich zustande?
Unsere Kooperation hat sich aus vorherigen Projekten wie Ideenwerkstätten oder einem Thinktank zu innovativen Ideen entwickelt. Der Tech Trend Radar hat mit einem kleinen Team von drei Personen angefangen, das sich mittlerweile verdreifacht hat. Ein besonders wichtiges Element ist die Kooperation zwischen ERGO und Munich Re, weil die Tech Trends ja nicht nur von außen kommen.

Das bedeutendste Merkmal ist natürlich das Radarformat. Warum ist es genau das richtige Format, um technische Trends abzubilden?
Dieses Format ist speziell zugeschnitten auf den Tech Trend Radar, weil es nicht nur die technischen Entwicklungen zeigt. Im Radar sind auch zu jedem Trend ausgewählte Praxisfälle beschrieben, was ihn sehr anschaulich macht. Trends und Kategorien haben sich in den vergangenen Jahren natürlich geändert und weiterentwickelt, weil sich auch die technischen Entwicklungen verändert haben. Das Radarformat ist jedoch immer geblieben.

Wie entsteht denn der Tech Trend Radar ganz konkret? Können Sie uns mal mitnehmen in die Entstehung?
Der Tech Trend Radar wird kontinuierlich weiterentwickelt. Das bedeutet: Der existierende Radar ist der jeweilige Ausgangspunkt. Gemeinsam analysieren wir dann, in welchen Feldern sich viel getan hat und in welche Richtung die Entwicklung lief. Welches Thema hat eine höhere Relevanz bekommen? Und welcher Trend klingt eher wieder ab?

Alle Bereiche des Radars werden in den Teams zuerst in Vorgesprächen diskutiert und dann mithilfe von externen Reports und Analysen evaluiert. Auf diese Weise fließt das interne Markt-Wissen mit in die Weiterentwicklung ein. Das Besondere am Tech Trend Radar ist, dass die Entstehung der verschiedenen Trends nicht von außen getrieben wurde, sondern vielmehr von innen aus den Unternehmen kommt. Auf diese Weise lebt das ganze Projekt von dem Wissen der vielen Mitarbeiter, die beteiligt sind.

Ihr Institut hat ein großes wissenschaftliches Netzwerk. Inwiefern binden Sie das mit ein?
Dieses Netzwerk gehört ja gewissermaßen zu unserer DNA. In unseren Projekten arbeiten wir tagtäglich an Themen, die den digitalen Wandel ausmachen. So können wir die Erfahrungen unseres breiten Netzwerks gezielt miteinbringen. 

 

Wie genau entstehen die Kategorien des Radars?
Die Trends werden in einem ersten Schritt in einem Sortierungsprozess zusammengeführt. Dann schauen wir auf die vier übergeordneten Felder Nutzerzentrierung, Vernetzte Welt, Künstliche Intelligenz und Enabling-Technologie und analysieren, in welcher Phase sich die jeweiligen Trends befinden. Wir beurteilen dann den Entwicklungsgrad jedes Trends. Also Abwarten und den Trend im Auge behalten, Bewerten, Testen oder Übernehmen? So lassen sich die Trends sehr gut zuordnen.

Für die Beurteilung der Trends ist zum einen die Expertise von verschiedenen Personen wichtig, die ihr Know-how hineingeben. Zum anderen aber auch eine Systematik, um Trends in Kategorien einordnen zu können. In unseren Workshops diskutieren wir die Trends, systematisieren und bewerten sie und teilen sie dann am Ende in die Kategorien ein.

Wie hat sich der Tech Trend Radar in den vergangenen Jahren verändert?
Das Team um den Radar ist immer weitergewachsen und die Trends wurden weitergefasst. Wir sehen ganz klar, dass es Trends gibt, die sich stetig voran entwickeln. Aber es gibt auch Trends, die dann irgendwann an Bedeutung verlieren. In der Darstellung des Radars sind neue Formate dazugekommen. Der Radar hat sich mit den Jahren immer mehr in den Organisationen etabliert. 

Was waren denn wegweisende Trends?
Ein Beispiel ist die Vernetzung von Smart Home und Smart City, aber beispielsweise auch die Entwicklung digitaler Payment Models, mit denen sich der Zahlungsverkehr verändert. Das gesamte Thema Connected World bleibt ein wichtiges. Wie können sich beispielsweise auch Arbeitssituationen wie in der Corona-Krise digital meistern lassen?

Hat die Digitalisierung durch Corona denn einen Entwicklungsschub erhalten?
Das würde ich schon so sehen. Es ist ein wesentlicher Faktor, dass wir uns nun alle daran gewöhnt haben, digital von Zuhause aus zu arbeiten und auch Veranstaltungen digital durchzuführen. Die Technik dazu ist also nicht nur vorhanden, sondern sie wird nun auch intensiv genutzt. Das wird sicher dazu führen, dass wir die Vorteile dieser Technik sehen und teilweise auch nach Corona beibehalten werden. Aber natürlich ist der persönliche Kontakt zwischen Menschen wichtig, sodass wir weiterhin auch viel im Büro arbeiten und uns vor Ort treffen werden.

Was sind die Highlights des diesjährigen Tech Trend Radar?
Die ausgewählten Trends zeigen ja die Breite der Entwicklung. Wir sehen ganz unterschiedliche Trends in verschiedenen Bereichen – von Batterien bis Gesundheit. Darum ist der digitale Wandel auch so herausfordernd, weil er so viele Bereiche betrifft.

Wie wird der Tech Trend Radar denn wahrgenommen? Intern wie extern?
Der Tech Trend Radar ist etabliert und bekannt. Er ist ein gutes Tool, das sich auch sehr gut nutzen lässt.

Interview: Benjamin Esche