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Ausblick: Das sind die 5 Top-Tech-Trends 2021

Wird 2021 das Jahr, in dem wir von neuen Technologien unterstützt aus der Pandemie herausgehen? Vieles ist schon da – wir sollten es einfach nutzen! Technik-Redakteurin Verena Dauerer schreibt über fünf Technik-Trends, die ihrer Meinung nach das neue Jahr mitbestimmen werden: von Machine Learning und Kreativität, dem „Woven City“-Konzept, Ethical Sourcing, Fleisch aus dem Bioreaktor, bis zu neuen Technologien, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Touristisches Teleskop Blick auf die Stadt mit Blick auf Barcelona Spanien, Nahaufnahme alter Metallferngläser auf Hintergrundaussichtspunkt, Hipster-Münze bedient in der Panoramabeobachtung, Attrappe, Beleuchtung Bokeh-Licht in der Nacht verschwimmen atmosphärischen Himmel

KI – Machine Learning und Kreativität

Beim Machine Learning, einer Unterart von Künstlicher Intelligenz, werden Algorithmen mit Trainingsdaten gefüttert, um Muster zu erkennen und diese auf unbekannte Daten anzulegen. Interessant wurde es dieses Jahr, als die Algorithmen so lange mit künstlerischen Werken aus alles Disziplinen gespeist wurden, bis sie selber kreativ wurden und anfingen, Musikstücke zu komponieren, zu malen oder Skulpturen zu erschaffen. Eines hat jedoch besonders von sich reden gemacht: GPT-3 von der amerikanischen Firma OpenAI ist ein Open-Source-Sprachmodell, das auf Ansage Gedichte, Tweets und ganze Artikel generiert und vortrefflich Konversationen mit Menschen führen kann.

Auch wenn die nächste Evolution davon als GPT-4 von OpenAI auf sich warten lassen wird – in 2021 werden wir gar nicht merken, wie GPT-3 klammheimlich das geschriebene Wort an sich reißt. Wir können das natürlich auch positiv bewerten: GPT-3 wird manchen von uns etwas Arbeit abnehmen, News generieren, Smalltalk mit Bekannten betreiben oder die eigenen Social-Media-Kanäle mit gewünschten Themen befüllen. Das Sprachmodell ist intelligent und kein einfacher Bot, der Befehle ausführt. Deshalb wird es oft unerkannt bleiben.

Wem das zu unheimlich erscheint, der sollte sich in 2021 seine Kreativarbeit mit einer anderen Variante von Machine Learning abnehmen lassen: Runway ML ist ein Online-Tool, mit dem Designer generative Kunst kreieren können – in dem sie beliebige Algorithmen mit ihren Designs, Fotos oder Filmen füttern. Das kann wirklich jede und jeder und ohne jegliche Programmierkenntnisse. Kreation bedeutet nämlich auch, spielerische Zufallsprodukte zu erschaffen. Und ihre Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachtenden.

 

Automotive – das „Woven City“-Konzept

Wir nutzen bereits Verkehrsmittel intermodal und wechseln dabei nahtlos zwischen öffentlichen und privaten und teilprivaten Sharing-Angeboten. Wir nehmen die Bahn, Tram oder den Bus und dann den E-Roller, E-Scooter oder ein hybrides Auto, um von A nach B zu kommen. Neu dazu kommt in 2021: Brennstoffzellen werden endlich erschwinglicher und Unternehmen starten Stadtexperimente, bei denen Elektrotechnik, Solar und Wasserstoff gleichwertig zum Einsatz kommen. Roboter sollen übrigens auch eine Stadt bevölkern, bei der alle Technologien ineinander verzahnt und verwebt sind: das „Woven City“-Projekt wird eine Null-Emissions-Stadt. Deren Spatenstich startet 2021 unweit des Fuji in Japan, angetrieben von Toyota und entworfen von den Architekten der dänischen Bjarke Ingels Group.

Wird das die infrastrukturellen Probleme unserer gewachsenen Städte lösen können? Natürlich nicht so schnell. Wir können in 2021 erst einmal damit beginnen, Straßenlaternen zu Elektroladesäulen aufzurüsten. Und das selbstverständlich nach offenen Standards, die Berliner Firma ubitricity macht es in London vor und hat dort bereits 1.300 Lade-Laternen installiert. 

Ethical Sourcing – transparente Lieferketten mittels Blockchain

Längst zählt für Unternehmen nicht mehr der größte Profit, sondern dass die Produktion ihrer Gebrauchsgüter unter fairen Bedingungen vonstatten gehen. Die KonsumentInnen verlangen zurecht immer mehr nach Nachhaltigen, Umweltverträglichkeit und einer Produktion im Einklang mit den sozialen und kulturellen Bedingungen vor Ort – nicht selten in einem Entwicklungsland. Deshalb wird die Transparenz der Lieferketten für die Produktionsstätten immer wettbewerbsentscheidender, vor allem in 2021. Technologien wie Blockchain beziehungsweise Smart Contracts können dabei helfen, den Weg von Rohöl, Diamanten, bis hin zu Bier transparent nachzuverfolgen. Die Authentizität und Reinheit von Lebensmitteln wird immer wichtiger – verstärkt durch die Coronavirus-Pandemie. Bis 2025 soll der Umsatz von Blockchain bei Landwirtschaft- und Lebensmittel-Lieferketten etwa um das Siebenfache ansteigen.

Auf der KonsumentInnenebene sind es Apps, die den NutzerInnen eine faire Herstellung der Produkte aufzeigen. My Label aus Frankreich zum Beispiel macht es vor und zeigt im Supermarkt Produkte an, die verschiedene faire bis nachhaltige Kriterien der NutzerIn erfüllen. Die App Ecolabel Guide geht den Labels auf den Produkten wie „bio“ und „nachhaltig“ auf den Grund und ermittelt, ob die Waren das Versprechen auch halten.

Food Tech – Fleisch aus dem Bioreaktor

Es hat lange gebraucht, doch dieses Jahr zogen endlich vegane Fleischprodukte in die Regale von Bio-Kooperativen bis zu Billig-Discountern ein. Es war das Jahr von Beyond Meat, einem Start-up spezialisiert auf pflanzliche Fleischersatzprodukte, dessen Aktien bis Mitte Dezember ein dickes Plus von 83 Prozent einheimsten. Das ist erst der Anfang: Nächstes Jahr beginnt die richtige Produktion von Hühnerfleisch aus der Retorte. Bei einer Biopsie entnommene Hühnerzellen werden künstlich in einem Bioreaktor herangezüchtet. Ernährt werden sie rein pflanzlich. Die erste weltweite Zulassung geschah bereits im Dezember in Singapur, eingereicht durch die US-amerikanische Firma Eat Just. Aber auch in Kalifornien und in Israel arbeiten Start-ups an pflanzlichem Rind- und Schweinefleischersatz, der in 2021 auf den Markt kommen soll.

Nach den Schlachthofskandalen in Deutschland in 2020 beginnt die endgültig die Ära, in der Tiere nicht mehr für die Fleischproduktion heranhalten müssen. Bis 2024 will Beyond Meat mindestens ein Produkt anbieten, das günstiger als die fleischliche Konkurrenz ist und neue kulinarische Gefilde eröffnet.

Health Care – die Pandemie mit Algorithmen in den Griff bekommen

2020 kam die Pandemie. 2021 kehren wir (hoffentlich) ganz allmählich wieder in einen Alltag zurück. Das geschieht dank neuer Gesundheitstechnologien, die wir bald für selbstverständlich halten: Algorithmen erkennen am Husten eines Erkrankten, ob sie oder er mit dem Coronavirus infiziert ist. Der Unterschied zwischen einem Grippe- oder Erkältungshusten und dem Husten eines an Covid-19-Erkrankten sind nicht von menschlichen Ohren wahrnehmbar. Jedoch erkennen es die Algorithmen zu 98,5 Prozent, auch wenn andere Krankheiten im Spiel sind. Zu 100 Prozent detektieren sie es, wenn der Husten allein auf Corona zurückzuführen ist. Entwickelt von Forschern am Massachusetts Institute of Technology (MIT), könnte es bald eine Smartphone-App dazu geben.

Es geht aber noch schneller: Eine walisische Firma entwickelt Atemmaschinen, die eine Infektion allein am Atem ermitteln können. Auch Schweizer Forscher arbeiten daran: Aber an einer KI, die eine Infektion erkennt, wen eine Person nur in ein Mikrofon haucht. Wer hätte gedacht, dass 2021 das Jahr wird, indem ausgerechnet die Medizin uns die Vorteile von Algorithmen demonstriert.