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Karneval und Brauchtum - hat hier die Digitalisierung ihre Grenzen?

Jedes Jahr freut sich //next Kolumnistin Kristina Tewes auf die 11. Jahreszeit – als Rheinländerin lebt und liebt sie den Karneval. Doch auch wenn viele Bereiche des alltäglichen Lebens inzwischen erfolgreich digital abgebildet werden – beim Brauchtum stößt die Technik an ihre Grenzen, findet sie.

Es ist einfach nicht dasselbe. Sich schunkelnd in den Armen zu liegen und gemeinsam lauthals „Leev Marie“ zu schmettern – das kann keine VR- oder Videokonferenz ersetzen. Den Reiz des Fastelovends macht ja nun gerade die Geselligkeit und das dichtgedrängte Beisammensein in engen Altstadtkneipen aus. Bützchen, Schunkeln, Kamelle und Strüssjer fangen – das lässt sich digital kaum bis gar nicht abbilden. Und mal ehrlich: Alleine verkleidet Zuhause auf dem Sofa sitzen, Videocall hin oder her – das hat schon irgendwas Trauriges, oder?

Dabei sind mir im Netz schon einige schöne Ideen untergekommen – wie der selbstgebaute Zoch aus Legosteinen oder natürlich die üblichen Foto-Challenges mit Rückblicken auf vorherige Sessionen. Selbstverständlich ist auch mein Profilbild dieser Tage ein Karnevalsfoto aus vergangenen Zeiten. Und der Home Office Arbeitsplatz ist mit Luftschlangen geschmückt. Hach ja…

Die Karnevalsbegeisterten lassen sich viel Kreatives einfallen, um trotz der Einschränkungen durch die Pandemie wenigstens ein paar jecke Funken zu versprühen. Diverse Vereine haben Care-Pakete an ihre Mitglieder verschickt und zum gemeinamen Unboxing-Event eingeladen.

Auch gibt es inzwischen ein breites Angebot an virtuellen Sitzungen, bei denen die Größen des Karnevals auftreten. Für die Bands und Büttenredner, deren Gagen in diesem Jahr nahezu komplett wegfallen, ist dies zumindest ein kleiner Trost (und natürlich eine gewisse Einnahmequelle).

An die Kleinen wird ebenfalls gedacht: Die Grundschule meiner Kinder bietet eine virtuelle Karnevalsfeier an – mit Kahoot-Quiz rund ums jecke Brauchtum und Kamelle-Beuteln, die den Kindern bei der Übergabe der Schulaufgaben ausgehändigt werden. Einen virtuellen Karnevalsumzug wird es ebenfalls geben – mit selbstgemalten Prunkwagen, die vom technikaffinen Lehrer animiert werden.

Nun gut, es lässt sich nicht ändern und es ist ja auch richtig, dass wir derzeit Abstand halten. Wir machen das Beste draus und hoffen auf geselligere Zeiten. Mir fällt dazu derzeit trotzdem immer wieder dieses Lied von Milow ein: „I’m tired off using technology“ – in Bezug auf Karneval trifft das jedenfalls zu.

Text: Kristina Tewes

Paveier - Leev Marie (offizielles Video)