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Smart Home: Intelligente Lösungen im eigenen Zuhause

Immer mehr Unternehmen arbeiten daran, ihre Produkte durch eine Verbindung mit dem Internet „intelligenter“ zu machen. Dies gilt für alle Branchen und Bereiche. Überall wird über den Einbau von Chips und Verbindungsmöglichkeiten mit einem WLAN nachgedacht. Auch in den eigenen vier Wänden lässt sich IoT nutzen: Unter dem Begriff „Smart Home“ werden jene Geräte und Installationen zusammengefasst, die für die Vernetzung eines Privathaushaltes von Bedeutung sind. 

Unter dem Begriff „Internet of Things“ (IoT) wird dieser nicht mehr ganz neue Trend zusammengefasst. Ähnlich wie Menschen sich über das Internet verbinden, können zunehmend auch Geräte virtuell miteinander verknüpft werden und sich „unterhalten“. Moderne Küchenmaschinen übernehmen beispielsweise Koch-Rezepte aus entsprechenden Internetangeboten, nach denen sie dann mehr oder weniger „selbstständig“ arbeiten. Der Kochende muss nur noch die Zutaten hinzufügen. 

Auch in der Industrie hält diese Entwicklung Einzug. Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ werden Produktionsprozesse zusammengefasst, die intelligente Netzverknüpfungen nutzen, um effizienter und besser zu werden. So ist es irgendwann denkbar, dass Produktionsmaschinen mit den Maschinen zur Herstellung ihrer Produktionsstoffe eigenständig kommunizieren und ihre „Bestellungen“ aufgeben.

Eine Folge dieser Entwicklungen wird sein, dass die Anzahl der Teilnehmenden am Worldwide Web explosionsartig zunimmt – und damit auch die Anzahl der Einsatzmöglichkeiten.

Smarte Technik im eigenen Zuhause

In den eigenen vier Wänden gehören im Kern vor allem die folgenden Bereiche zum Themenfeld:

  • Grundversorgung (Heizung, Strom, Wasser)
  • Unterhaltungselektronik (Video, Audio)
  • Sicherheit (Einbruchsschutz, Schadensmeldung, Überwachung von pflegebedürftigen Personen oder Kindern)
  • Haus-Elektrik (Steuerung von Licht, Bewässerungsanlagen, Jalousien etc.)
  • Intelligente Küche (Kühlschrank, Herd, Küchenmaschine)

Neben der Erhöhung der Sicherheit ist es das Ziel, das eigene Heim effizienter, sparsamer und komfortabler zu machen. 

Das Prinzip, nach dem Smart Home funktioniert, ist dabei immer dasselbe: Das jeweilige Endgerät, das „smart“ genutzt werden soll, benötigt eine Verbindung zum Internet, um Daten zu senden und zu empfangen. Zusätzlich wird der Schalter, der das Gerät auf herkömmliche Weise bedient, ersetzt oder ergänzt durch einen sogenannten „actor“, also einen internetkompatiblen Schalter, der mittels Sprach- oder Applikationssteuerung aktiviert werden kann. Ist beides gegeben, kann über das Netz – üblicherweise mittels App – der Zustand des Gerätes eingesehen und verändert werden. 

Die Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand:

1. Ortsunabhängigkeit

Die Bedienung mittels App kann von jedem Ort der Welt aus vorgenommen werden. So ist es beispielsweise möglich, Licht oder Heizung von der Ferne zu steuern und auf diese Weise die eigenen vier Wände vor der Rückkehr von einer Reise schon einmal aufzuheizen.

2. Sicherheit

Mittels Sensoren oder Kameras kann das Haus oder die Wohnung während der Abwesenheit seiner Bewohner:innen überwacht werden. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel Feuchtigkeit frühzeitig erkennen und ein Wasserschaden verhindern.

3. Verbrauchsüberwachung

Früher war es meist nur über die Abrechnung möglich, eine Übersicht über den Verbrauch von Strom, Gas und Wasser zu erhalten. Bei einer modernen Smart Home-Installation zeigt die zugehörige App in der Regel eine Vielzahl von Statistiken und Übersichtsgrafiken, an denen sich der Verbrauch detailliert ablesen lässt. Dies vereinfacht die Steuerung erheblich.

Smarte Einzeltechnik statt intelligenter Lösungspakete 

Alles in allem ist es also in jedem Fall sinnvoll, über eine (zumindest teilweise) „smarte“ Ausstattung von Wohnung oder Haus nachzudenken. Leider ist es aber keineswegs so, dass man sich irgendwo „ein Paket Smart Home“ kaufen könnte. Es gibt keine Lösungen „von der Stange“, jede einzelne Funktion steht in der Regel für sich und muss auf die spezifische Gerätesituation angepasst werden. Dies bedeutet, dass alle, die Smart Home-Lösungen anschaffen möchten, sich zunächst in das Thema einarbeiten müssen. 

Ob Smart Home sich lohnt und welche Möglichkeiten sich anbieten, hängt zunächst einmal sehr stark von der individuellen Wohnsituation ab: Altbau oder Neubau? Eigenes Haus oder Mietwohnung? Gute Internetversorgung oder wenig Bandbreite? Das alles ist entscheidend für den Einsatz von intelligenter Technik im eigenen Zuhause. 

Herausforderung Altbau

Bei älteren Bestandsimmobilien findet man oft Geräte vor, die keine WLAN-Verbindung vorsehen – wie beispielsweise eine Zentralheizung älteren Datums. Um dennoch eine smarte Heizungsanlage zu erhalten, müssen entweder Zusatzinstallationen am Heizkessel vorgenommen werden oder man tauscht sämtliche Heizkörper-Thermostate bzw. Raumfühler aus. Beides ist möglich, allerdings mit Kosten und Aufwand verbunden. Eine weitere Herausforderung: Nicht jeder Installations-Betrieb ist ausreichend gut über das Thema informiert. Es ist also eventuell die Hinzunahme einer weiteren Firma notwendig, die sich mit der bestehenden Wartungsfirma abstimmen muss.

Vorteile beim Neubau

Wohnt man in einem Neubau, dann ist die Situation eine andere: Moderne Heizanlagen verfügen in der Regel über einen WLAN-Anschluss. Diesen kann man leicht aktivieren. Die Anbindung an smarte Lösungen wird damit deutlich einfacher und günstiger möglich. Oft reicht es, eine entsprechende App auf sein Handy zu laden. 

Ähnlich wie bei der Heizung sieht es auch in allen anderen Bereichen aus: Hauselektrik, Rollladensteuerung, Küchengerätschaften – eine intelligente Nutzung ist meist ohne viel Aufwand möglich, wenn die Geräte und Installationen neueren Datums sind.

Smart Home-Lösungen von Anfang an integrieren

Steht die Planung eines Haus- oder Wohnungsbaus an, dann ist es möglich, Smart-Home-Lösungen von Anfang an zu integrieren. Doch auch in diesem Fall muss man einiges bedenken: Eine smarte Haus-Elektrik zum Beispiel liegt schnell im fünfstelligen Bereich und ist nur dann sinnvoll, wenn sich Bauherr und Elektriker im Thema auskennen und entlang der konkreten Bedürfnisse planen. Ansonsten überfrachtet man sein neues Heim mit Tablets, Apps und Steuerungen, die nicht wirklich genutzt werden und den Alltag unnötig verkomplizieren. 

Neben Kosten und Komplexität ist die Anzahl der an Smart Home beteiligten Gewerke ebenfalls ein Thema: Theoretisch können Elektriker, Garagenbauer, Tür- und Fensterbauer, Heizungsbauer, Sanitärbetrieb, Küchenbauer, Sonnenjalousie-Hersteller und TV-Fachbetrieb „smarte“ Lösungen liefern. Die künftigen Eigentümer sollten daher schon im Vorfeld wissen, was ihnen wichtig ist und welche Bereiche mit Smart-Home-Funktionen ausgestattet werden sollen. Fast immer werden dabei Mehrkosten anfallen, über die hinsichtlich der Kosten-Nutzen zu entscheiden ist. 

Ist das smarte Traumhaus fertiggestellt, geht es an die Anmeldung und Einrichtung aller Apps. Auch das ist keineswegs trivial, weil jeder Hersteller seine eigene Software anbietet. Selbst wenn man sich nur für die wesentlichen Smart Home-Lösungen entscheidet, kommen da schnell einige Apps zusammen. 

Für ein klassisches Eigenheim kommen die folgenden Funktionsapplikationen in Frage:

  • Öffnen/Schließen Garagentors
  • Heizungssteuerung
  • Herauf-/Herunterfahren Jalousien oder Rollläden
  • Tür-Kamera
  • Überwachungskameras
  • Feuchtigkeitsfühler Keller
  • Beleuchtungssteuerung (oft verschiedene Apps für einzelne Lampen)
  • Herd, Kühlschrank, Küchenmaschine
  • Steuerung Soundsystem usw.

Alles in allem ist Smart Home eine ebenso sinnvolle wie (derzeit noch) etwas komplizierte Thematik. Für Smart Home unerlässlich, dass Elektrik und IT-Netzwerk miteinander verzahnt sind, das gleiche gilt für Heizungsanlage und Elektrik. Die Entwicklungen im Bereich IoT machen es notwendig, dass sich die Gewerke, die am Bau beteiligt sind, intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und untereinander vernetzen. Nur dann wird Smart Home in Zukunft ein interessantes Angebot für jedermann.

Text: Sabine Haas