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Smarte Devices? Gerne, aber nicht während der Quality Time

Die Bestrebungen des Menschen im 21. Jahrhunderts befassen sich mit Optimierung, Vernetzung und Weiterentwickelung. Auch bei uns Zuhause gibt es mehr und mehr smarte Anwendungen. //next-Kolumnist Markus Sekulla ist begeisterter Technologie-Fan, heute wirft er jedoch einen kritischen Blick darauf, wo es ihm dann doch zu weit geht. 

Das Ultrahouse 3.000: Es verspricht, dass niemand mehr Hausarbeiten erledigen muss. Alles ist miteinander vernetzt. Eine KI stellt die Schnittstelle zwischen den Geräten dar. Diese kocht, putzt, wäscht das Geschirr und massiert sogar die Besitzer:innen. Ein Traum vieler begeisterter KI- und Smart-Home-Fans – und bisher nur (leider) Fiktion aus der Simpsons-Serie.

Ein Blick in die Gegenwart verrät jedoch, dass das Konzept eines vollständigen Smart Home nicht mehr ganz so weit entfernt zu sein scheint. Zumindest scheinen mittlerweile alle möglichen Unternehmen smarte Produkte anzubieten. Vieles davon verbessert das Leben, vieles aber ist lediglich Schnickschnack. Mein Beispiel heute: Ein bekannter Grillhersteller mit seinen neuen Modellen, die mit dem Handy verbunden werden können und damit die Grillerfahrung besser machen sollen. Und dazu habe ich eine recht klare Meinung: Nein, meine Grillerfahrung wird dadurch wahrscheinlich nicht besser.  

Perfektes Steak vs perfektes Gespräch

Sommerzeit ist Grillzeit – das ist hierzulande eine nicht festgeschriebene Regel. Bisher findet das alles aber eher nach Bauchgefühl statt. Da passiert es auch selbsternannten Grillmeister:innen, dass das heiß erwartete Grillgut auf einer von beiden Seiten anbrennt. Besagter Grillhersteller hat sich dafür etwas einfallen lassen: In seinen neuen Gasgrills ist nicht nur ein LED-Display verbaut, sondern auch eine Wi-Fi und Bluetooth-Schnittstelle.

Eine eigens entwickelte App zeigt dem Nutzer zu jeder Zeit die aktuelle Temperatur an und informiert ihn darüber, wann es Zeit ist, das Grillgut zu drehen oder vom Grill zu nehmen. Eine integrierte Schritt-für-Schritt Rezeptanleitung macht aus Anfänger:innen schnell Profis. Wer keine Lust auf die App hat, kann sich auch auf das eingebaute LED-Display verlassen. Diese zeigt dieselben Informationen an und meldet sich akustisch, wenn Nutzer:innen benachrichtigt werden sollen.


Puh. Liest sich eigentlich ganz gut, oder? Und ich glaube, es macht das Steak perfekt. Aber: Ist es das, was wir wollen? Ich glaube, wir Menschen verbringen zu viel Zeit mit Technologie – vor allem natürlich mit unseren Smartphones. Durch die Corona-Pandemie ist es eher schlimmer geworden als besser, zeigen Statistiken. Es gibt für mich vor allem zwei Teile meines Lebens, in denen Screens und Bluetooth keine große Rolle spielen: wenn ich Familie, Freunde und Bekannte sehe, oder wenn ich Sport mache. Allgemeiner gesagt: Quality-Time ist Handy-freie Zone. 

Klar, auch ich habe wie die meisten von uns mal mit Runtastic angefangen oder beim Wein trinken mit Freunden auf mein Handy geschaut, doch diese Tage sind passé. Und zusammen zu grillen und gesellig zusammenzusitzen macht ohne Handy am meisten Spaß. Team perfektes Gespräch!

Nutzen vs Risiken

Trotzdem können smarte Geräte unser Leben natürlich besser machen. Ein „Connected Home“ kann einiges an Komfort bieten. Es erleichtert uns alltägliche Handlungen und spart einiges an Zeit, Hashtag Saugroboter. In einer Gesellschaft, die von Hektik und Stress geprägt ist, sind die vernetzten Geräte oft Helfer. Ich habe keinen Überblick mehr über meinen Terminplan? Kein Problem: Siri & Co. verraten es mir. Ich habe ganz vergessen, den Herd auszuschalten? Im Smart Home ebenfalls kein Problem. Ich beauftrage einfach meinen Voice Speaker, sich darum zu kümmern.

Doch höher, smarter, weiter – so kann man den Lifestyle vieler Menschen beschreiben. Ein Motto, das jedoch die Frage aufwirft, inwieweit wir unseren Lebensbereich optimieren wollen. Für mich ist das vor allem ein Thema des guten Lebens und der Quality Time ohne Handy. Von den Risiken von Einbrechern 2.0 ganz zu schweigen – oder wer hat im Urlaub schon mal darüber nachgedacht, dass es für geübte Hacker recht einfach ist zu sehen, dass die smarte Zahnbürste daheim schon seit sechs Tagen nicht mehr benutzt wurde? Trotzdem: Team Nutzen!

Fazit

Sieht so unsere Zukunft aus – vollständig vernetzt und optimiert? Wollen wir wirklich in jedem Bereich unsere Kontrolle und Verantwortung für ein wenig Komfort und Zeitersparnis abgeben? Ja und nein. Aber vielleicht bleibt ein ganz simples Fazit: smarte Devices gerne, aber nicht während der Quality Time.

Text: Markus Sekulla