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Was vom UN-Klimagipfel übrig bleibt

Es muss etwas gegen die Klimakrise getan werden, darin sind sich mittlerweile so gut wie alle einig. Die Frage lautet also eher: Was wollen wir gegen die Klimakrise tun? In den vergangenen Tagen hat die Welt mit Spannung nach Glasgow geschaut, wo die COP26 stattfand. Unser Kolumnist Markus Sekulla hat sich die Ergebnisse angeschaut. Seine Hoffnung liegt auf technologischem Fortschritt - und auf all den kleinen Dingen, die jeder einzelne von uns tun kann.

Egal wo man dieser Tage hinschaut, das Thema Klimakrise ist nicht weit weg. So gut wie jedes Unternehmen schreibt sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Sieht man von einigen Fällen des Greenwashings ab, finde ich diese Entwicklung richtig super. Hier wird Plastik vermieden, dort eine smarte / energieeffizientere Lösung eingesetzt und wieder woanders auf fossile Brennstoffe verzichtet. Ich feiere diesen Trend und versuche seit einigen Jahren vorne mitzulaufen.

Die Frage, die ich am meisten höre ist: „Bringt das alles was? Ich habe gehört, dass in anderen Ländern…“ Was folgt ist eine Erklärung, warum persönlicher Verzicht gar nicht notwendig ist, sondern Unternehmen und Politik es richten sollen. Wenn die es verbeuteln, dann hat man zumindest selbst keine Schuld und dazu einen Sündenbock. Mit persönlich ist im ersten Schritt egal, was an anderer Stelle passiert. Ich möchte erst einmal meinen Beitrag leisten, ganz egal wie klein er zu sein scheint, dann kann ich immer noch andere Organisationen zum Handeln auffordern. Doch dazu später mehr…

Was an anderer Stelle passiert, sind Blockbuster-Events wie die COP26. Die UN-Weltklimakonferrenz 2021 war ein mit Spannung erwartetes Event, zu dem sich viele hochrangige Vertreter:nnen aus Unternehmen und Politik – zum kleinen Teil leider auch im Privatjet – auf den Weg gemacht haben. Es wurde beraten, wie man das Ziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung doch noch schaffen kann, obwohl dieses Ziel zurzeit – bei gleichbleibendem CO2 Ausstoß – nicht realistisch ist. Die Energieagentur IEA hat analysiert, dass sich die Erde auch mit den in Glasgow angekündigten neuen Vereinbarungen und Zielen  immer noch um 1,8 Grad erwärmen würde.

Wie sind die Ergebnisse der COP26 also zu bewerten? Hier ein kurzer Überblick aus der Presse:

Von der Leyen: COP-Ergebnis bleibt „unter den Erwartungen“ – Süddeutsche Zeitung

Was Wissenschaftler zum Klimapakt von Glasgow sagen – Spiegel Online

The Cop26 message? We are trusting big business, not states, to fix the climate crisisThe Guardian

Zieht man einen Querschnitt durch die Meinungen, bleibt dieser Satz aus dem Spiegel- Artikel bei mir haften: „Das Beste, was die Welt zu tun bereit war“. Das lasse ich mal so stehen. 

Was neben der Verantwortung von Unternehmen, Politik und persönlichem Verzicht häufig als erfolgsversprechende Waffe im Kampf gegen den Klimawandel genannt wird, ist: Technologischer Fortschritt. Und das mit Recht. Zu Unrecht jedoch hört man ebenso häufig, dass wirksame Technologien erst noch entwickelt werden müssten, um uns auf den richtigen Weg zu bringen. Ich glaube, dass die existierenden Innovationen durchaus ausreichen könnten, um den Klimawandel zu stoppen. Allein an der Skalierung und dem Verbaucherverhalten scheitert bislang noch der Erfolg vieler Technologien und Innovationen. 

Technologie gegen den Klimawandel

Generell lassen sich die Technologien, die uns beim Kampf gegen den Klimawandel helfen sollen, in zwei Kategorien aufteilen: a) jene, die CO2 vermeiden und b) jene, die CO2 aus der Atmosphäre ziehen können. Es verhält sich mit diesen beiden Kategorien in etwa so wie Angriff und Abwehr beim Fußball: Je weniger Tore wir kassieren, desto weniger müssen wir schießen, um das Spiel zu gewinnen. Übersetzt: Je weniger CO2 wir in die Atmosphäre pumpen, desto weniger müssen wir ihr wieder entziehen. Zumal die Carbon Capture Technologien wirklich noch in den Kinderschuhen stecken. Ein schönes Beispiel ist hier das Projekt Orca auf Island, das CO2 aus der Atmosphäre zieht und es in der Erde einlagert. Also quasi das Gegenprojekt zum Kohleabbau. Hier ein informativer Artikel dazu aus der FAZ: Kohlendioxid-Sauger fürs Klima.

Ein Klassiker im Umwandeln von CO2: Baum, der. Substantiv, maskulin. Hat so erst mal nichts mit Technologie zu tun. Und doch: Mit der Suchmaschine von Ecosia pflanzt man mit seinen Suchen Bäume – besser gesagt, mit den Werbeeinnahmen, die von dem Berliner Start-up generiert werden. 

Kommen wir zu den weitaus größeren Tech-Projekten: Solche, die das CO2 vermeiden sollen. Eine umfassende Aufzählung ist schier nicht möglich, so viele Projekte gibt es. Wir alle kennen Windräder, Zugreisen, Homeoffice-Tage, vegane Ernährung und die Circular Economy. Darüber hinaus wird in der Bau-, Transport- und Energiebranche und bei unzähligen Start-ups darauf geachtet, dass man neue Wege findet, alte Technologien disruptiv hinterfragt und damit weniger Emissionen freisetzen. Auch künstliche Intelligenz (zum Beispiel zur Prozessoptimierung) oder Blockchain-Konzepte (zum Beispiel für Supply Chains) können effizienteres Arbeiten und damit die Vermeidung von CO2 unterstützen.

Dabei kann man Technologie aus mehreren Blickwinkeln betrachten. Das reicht von den smarten Thermostaten in den eigenen vier Wänden bis hin zu Prozessen für die Treibstoffgewinnung, die ohne den Einsatz fossiler Ressourcen auskommen. Auch Innovationen zur Vermeidung und/oder dem besseren Recycling von Plastik ist ein großes und wichtiges Thema. Klar scheint, dass es ohne effizienteres Management der Energie durch technologische Weiterentwicklung sehr schwer wird, die Erde in zu retten. 

Was kann ich tun?

Klar gibt es hunderte Tipps für einen klimafreundlichen Lebensstil. Vegane Ernährung, keine Fernreisen und, und, und. Hier sind ein paar Tipps, wie jeder auch ohne große Mühe mithelfen kann:

  • Smarte Thermostate nutzen
  • Ecosia Suchmaschine installieren
  • Second Hand Dinge kaufen – aka. Kleinanzeigen / Kleiderkreisel Heavy-User werden
  • E-Mails möglichst ohne Anhänge versenden
  • Technologie wie Smartphones so selten wie möglich neu kaufen
  • Auf die Energie-effizienz von Technologien achten (Stichwort: A+++)
  • Kamera idR bei Zoom/Teams Calls aus
  • YouTube nicht in HD Qualität streamen

Bestimmt gibt es noch unzählige kleine und größere Energiepsparmöglchkeiten im Alltag mehr. Schreibt mir eure Tipps gerne in die Kommentare!

Tl;dr

Wenn wir alle klimafreundlicher handeln, die Innovationskraft der Unternehmen nicht nachlässt und die Politik ihren regulativen Teil beiträgt, dann können wir die 1,5 Grad Maximum vielleicht doch noch schaffen. Was man jedoch nicht machen darf, ist sich darauf zu verlassen, dass jemand anders die Welt retten wird. Wir alle können und sollten unseren Teil beitragen.

Hier noch einige spannende Links zum Weiterlesen:

Den eigenen CO2-Fußabdruck messen:

https://www.footprintcalculator.org/

El Pais - The Spanish smart building that will fight the effects of climate change

https://english.elpais.com/elpais/2017/10/05/inenglish/1507190381_684984.html?rel=buscador_noticias

Climate psychologist says neither gloom-and-doom nor extreme solution-obsessed optimism is the best way to discuss climate change productively

https://www.cnbc.com/amp/2021/09/26/how-to-discuss-climate-change-productively.html

Text: Markus Sekulla