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Stromsparen für Digitalos: Was hilft, wenn jede Kilowattstunde zählt?

Ganz ohne Verzicht wird es nicht gehen, wenn man die Energiewende erfolgreich gestalten möchte. Da war sich //next-Autor Markus Sekulla schon vor den jüngsten weltpolitischen Ereignissen sicher. Doch wenn jede Kilowattstunde hilft, wie Wirtschaftsminister Robert Habeck neulich sagte, lohnt es sich einmal mehr zu schauen, wo die Einsparpotenziale für jede oder jeden von uns liegen.

„Jede Kilowattstunde hilft“, sagte Robert Habeck kürzlich und rief uns alle zum Energiesparen auf. Und es hat gewirkt. Laut Bitkom Umfrage versuchen mehr als 50 Prozent der deutschen Haushalte, Energie zu sparen. Klingt ganz gut, doch der Weg ist noch lang, steinig und beschwerlich.

Die Welt ist in den vergangenen Jahrzehnten immer vernetzter und schneller geworden. Energie wird längst nicht mehr nur für den Heim-TV, die Waschmaschine oder die jährliche Urlaubsfahrt nach Italien gebraucht, sondern auch für Dinge wie Bitcoin-Mining, Wochentrips nach Bali oder neun Stunden Ultra HD Serien-Streaming, bei der man viermal gefragt wird, ob man denn wirklich noch wach sei. Aber das ist ein Luxus, in dem viele von uns in Deutschland leben dürfen. Dass das in Punkto Energieverbrauch nicht ewig so weitergehen kann, haben viele von uns geahnt, aber wenige sich getraut, laut auszusprechen.

 

Bleibt die Frage: Wie schränken wir uns sinnvoll ein, damit wir auch noch in 200 Jahren kraftvoll zubeißen können? Da gibt es einige Potenziale in den eigenen vier Wänden und auch in der eigenen Fortbewegung. Und ja, die klassische What-about-Frage „Warum soll ich mein Handy ausstöpslen, wenn irgendwo anders neue Flughäfen gebaut werden?“ habe ich schon mal gehört und finde sie: lame. Sie ist für die Fragenden schön gemütlich, da der schwarze Peter ja woanders liegt. Für die eigene Zufriedenheit ist die Frage hingegen Gift. Aktiv sein und mithelfen ist besser als passiv Schuldsuche zu betreiben. #Trustme!

Wie sparen wir am besten Energie?

Energiespartipps finden wir im Internet reichlich. Es gilt die gute, alte Bauernregel: Kleinvieh macht auch Mist! Auch hier auf //next haben wir schon einige Artikel mit Ideen zusammengetragen. Diese findet ihr unten, garniert mit ein paar nützlichen externen Links.

Wissen ist Macht. Zu verstehen, wie viel Strom einige Geräte verbrauchen, kann oft schon der Schlüssel zum ersten gesparten Euro sein. Das ist ganz einfach:

Fangen wir mit einem einfachen Beispiel an: Mein 2.100-Watt-Wasserkocher braucht zwei Minuten, um einen Liter Wasser zu erhitzen. Was kostet mich das? Dabei werden etwa 70 Wattstunden (Wh) bzw. 0,07 kWh verbraucht. Die Kosten liegen damit bei rund 2,5 Cent (bei einem Strompreis von 0,35 Euro pro kWh).

Jetzt wird es kurz nerdig

Wir Digitalos trinken ja gerne große Tassen Kaffee. Und die kosten dann 1,2 Cent, um das Wasser zu erhitzen. Das allerdings viermal am Tag und 365 Tage im Jahr. Adam Riese sagt: vertretbar, mit lediglich 17,50 Euro im Jahr. Noch mehr gute Nachrichten: Selbst das täglich Laden des Smartphones kostet nur zwischen ein und zwei Euro im Jahr, also auch nicht viel.

Die oben angesprochenen neun Stunden Serien-Streaming kosten bei einem Fernseher, der circa 100 Watt pro Stunde verbraucht, circa 30 Cent, plus die Hochleistung des Routers. Die schauen wir uns als nächstes an.

Der Router stellt sich oft als Stromfresser raus. Je nach Modell können hier im Leerlauf 20 Watt und, bei Last, 25 Watt anfallen. Da dieser in den meisten Haushalten 24/7 genutzt wird, können wir berechnen: Pro Tag 16 Stunden bei 25 Watt + 8 Stunden bei 20 Watt also 400 Wattstunden + 160 Wattstunden = 560 Wattstunden pro Tag. Mal 365 Tage im Jahr sind 204.400 Wattstunden oder 204 Kilowattstrunden pro Jahr. Bei einem (zurzeit allerdings sehr optimistischen) Preis von 0,35 Cent sind das 71,50 Euro im Jahr.

ProTipp: Schaltet man den Router über Nacht aus, so kann man zumindest die acht Stunden Leerlaufzeit sparen und damit rund 20 Euro im Jahr.

Ihr seht: Die Berechnung ist ganz einfach. Und wenn man erst mal weiß, wie viel ein Gerät verbraucht, kann man auch gut einschätzen, ob man es weiter in der Form nutzen möchte. Für alle, die tiefer in das Thema einsteigen möchten, empfehle ich einen Strommesser, denn darauf lässt sich der Verbrauch einfach ablesen.

Noch ein Pro-Tipp: So genannte Vampir-Geräte – also: Geräte im Stand-by-Modus. Die wir nicht nutzen, aber die ständig kleine Mengen von Strom saugen. Die BBC schätzt, dass Haushalte rund 147 Pfund, also circa 175 Euro pro Jahr, daran verschwenden. Also: einfach den Stecker ziehen oder eine entsprechende Steckdose kaufen. Peter Lustig – die Älteren werden sich erinnern – hätte jetzt gesagt: abschalten!

Fazit

Mir macht Stromsparen Spaß, und ich habe die Freude daran schon von meiner Familie mitbekommen. Wenn man schaut, wo überall Einsparungspotenziale stecken, ist man in den Augen von einigen vielleicht eher uncool, aber man spart einige Euros und tut gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes. Quasi eine Only-Win-Situation. 

https://next.ergo.com/de/Trends/2021/Energieverbrauch-Bitcoin-Stromsparen-Smart-Meter-Logistik.html

https://next.ergo.com/de/Trends/2021/UN-Klimagipfel-Technologie-Klimagipfel-COP26.html

https://www.theguardian.com/money/2022/mar/29/cheaper-bath-shower-energy-questions-answered-reduce-bills

https://www.bbc.com/news/technology-61235367

Text: Markus Sekulla