Cybersecurity

Die dunkle Seite des Internets: Der moralische Aspekt bei der Nutzung 

Das, was die meisten von uns als Internet kennen, ist nur ein kleiner Teil des Ganzen. Neben dem Deep Web, das Ressourcen für Unternehmen und Forschung, Datenbanken und andere Arten von Infrastrukturen umfasst, die einem guten Zweck dienen, gibt es einen weiteren Teil: das so genannte Dark Web. In den meisten Fällen wird das Dark Net von Kriminellen genutzt, um die Möglichkeiten des Internets für kriminelle Zwecke auszunutzen. Rafał Lula, IT-Sicherheitsmanager bei ERGO Technology & Services S.A., teilt seine Gedanken über den moralischen Aspekt der Nutzung der dunklen Seite des Internets.

In der heutigen Welt gibt es eine vielzahl digitaler Lösungen, die uns das Leben erleichtern. Das alles begann mit einer wirklich bahnbrechenden Erfindung – dem Internet, das zu einem Zugangspunkt zu jeder Art von weltweit verfügbaren Diensten wurde. Die neuen Webdienste und die daraus resultierende Nachfrage nach Daten brachten jedoch einige neue Herausforderungen mit sich – zum Beispiel die Aufhebung der Anonymität zugunsten der Funktionalität.

Infolgedessen wurde eine ganze Reihe von Diensten eingeführt, die uns vor einem übermäßigen Eindringen in unsere Online-Aktivitäten schützen sollen, wie zum Beispiel Datenanonymisierer und eine Webstruktur, die für einen normalen Benutzer unzugänglich ist. Interessanterweise ist das, was wir als Internet kennen und worauf wir mit einer Reihe von vertrauten Tools oder Anwendungsbrowsern zugreifen, nur ein kleiner Teil des Ganzen.

Das Deep Web – die gute Seite der Macht?

Neben dem Web, wie wir es kennen, gibt es ein Netz, das als Deep Web bekannt ist. Ein Bereich des Webs, der einem engen Kreis von Nutzern vorbehalten und kryptografisch gegen unbefugten Zugriff gesichert ist. Es wurde „nur Insidern“ zugänglich gemacht, die über direkte Zugangsinformationen (das heißt Adressen, Zugangsschlüssel usw.) verfügen, und zwar ohne Kennzeichnung und in einer Weise, die für normale Browser nicht erkennbar ist.

Neben dem Deep Web, das Ressourcen für Unternehmen und Forschung, Datenbanken und andere Arten von Infrastrukturen umfasst, die einem guten Zweck dienen, gibt es einen weiteren Teil, das so genannte Dark Web.

Das Dark Web oder: die dunklere Seite der Medaille

Das Dark Web, oder wie der Name schon sagt, die dunkle Seite, verbirgt seine Geheimnisse. Dies ist der Teil des Internets, der die Grundprinzipien des Deep Webs – nämlich Anonymität und rationelle Zugangskontrolle – untergraben hat.

Was bedeutet das in der Praxis? Das Dark Web ist als eine Infrastruktur, um Inhalte anonym zu verarbeiten. Neben kriminellen Diensten umfasst das Dark Web auch andere Arten von Websites sowie Foren, Online-Shops und Anleitungen, die nur für Insider mit spezieller Software zugänglich sind. Die Nutzer des Dark Web verwenden in der Regel TOR-Netzwerke und TOR-Browser, die den Zugang zum Internet mit der Zusicherung der Anonymität der Nutzer ermöglichen.

Aus diesem Grund lieben Kriminelle das Dark Net. Hier handeln sie mit Waffen, Drogen, menschlichen Organen und anderen illegalen Waren. Hier werden Informationen ausgetauscht, Angriffe geplant und Geld mit Waren und Dienstleistungen des grauen Marktes, Börsen und Kryptowährungstransaktionen verdient.

Wie sieht die dunkle Seite des Geldes aus?

Aufgrund ihrer breiten Zugänglichkeit, der Anonymität der Transaktionen und – bei einigen Zahlungsmodellen – des Fehlens einer physischen Dimension sind Kryptowährungen zu den Favoriten der Kriminellen geworden. Sie machen es möglich, große Geldsummen zu bewegen oder Konten bei Banken in Steuerparadiesen einzurichten. Alles, was man braucht, um sie zu nutzen, ist ein Internetzugang und eine Kryptowährungs-Brieftasche. Darüber hinaus unterliegen Kryptowährungsplattformen weitgehend keiner Aufsicht durch die Finanzmarkt-Regulierungen und ermöglichen es daher, bei Transaktionen auf dem Schwarzmarkt anonym zu bleiben.

Der Kryptowährungsmarkt hat dies als Gefahr erkannt und einige Plattformen werden zunehmend transparenter. Die Börsen etwa versuchen, dieses Problem zu lösen, indem sie Kryptowährungen als gesetzliches Zahlungsmittel anerkennen oder die Transparenz der Transaktionen aufzeigen. Bislang sind Kryptowährungen so gut wie nirgendwo als gesetzliches Zahlungsmittel anerkannt. Lediglich El Salvador hat diese Form der Abrechnung akzeptiert, während China beispielsweise Kryptowährungen gänzlich verboten hat.

Zusammen mit der zunehmenden Transparenz bei Kryptowährungen wird wahrscheinlich auch ihre Legalisierung folgen.

Ethischen Fragen zu mit TOR-Software und Krypto

User, die das TOR-Netzwerk nutzen oder mit Kryptowährungen bezahlen, wollen anonym bleiben. Das war urspünglich auch das Hauptziel der US Navy, die TOR erfunden hat. Die Einführung von Bitcoin wurde von der gleichen Idee inspiriert. Bitcoin ist die beliebteste Kryptowährung.

Das Konzept der TOR-Infrastruktur bestand darin, den Nutzern zum Beispiel in diktatorischen Ländern die Möglichkeit zu bieten, Inhalte, die nicht in das Bild der Regierung passen, zu veröffentlichen, zu kommunizieren und auf Inhalte zuzugreifen, die nicht überwacht werden und der Zensur unterliegen. Es wurde aus Sicherheitsgründen geschaffen und wird zum Beispiel auch von Journalisten oder Oppositionellen genutzt, die ihre Privatsphäre und oft auch ihr eigenes Leben und das von anderen schützen wollen. Leider wird dieser Teil der Erfindung von Kriminellen missbraucht.

Bei der Verwendung von Software ist es wichtig zu wissen, dass die Nutzung von TOR-Netzwerken selbst leicht von ihrem Internet Service Provider diagnostiziert werden kann, wenn keine zusätzlichen Anonymisierungsmechanismen verwendet werden.

Die entscheidende Frage ist, ob unsere Anonymität wertvoller ist als die Aufdeckung von Verbrechen. Stellen Sie sich vor, die Polizei sucht in Ihrer Stadt nach Kriminellen, die mit Waffen handeln oder in Menschenhandel verwickelt sind. Was passiert, wenn Sie ein Nutzer des TOR-Netzwerks sind? Die Polizei kann zunächst einmal keinen Unterschied zwischen einem Kriminellen und einem durchschnittlichen Nutzer feststellen. Sie wird daher mehr Zeit benötigen, um zu ermitteln und Kriminelle aufzuspüren. Und was ist, wenn Sie im Umgang mit IT-Tools ungeübt sind? Sicherlich möchte niemand von uns zu einer Informationsdrehscheibe für Kriminelle werden.

Deshalb frage ich alle, denen die Anonymität von TOR-Metzwerken grundsätzlich syympathisch ist: Ist Ihre Privatsphäre tatsächlich wichtiger als die wirksame Verfolgung von Straftätern? Das ist eine Frage, die sich jeder stellen und gewissenhaft beantworten sollte.

Text: Rafał Lula, IT-Sicherheitsmanager bei ERGO Technology & Services S.A.

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