Digital Health

Gegen Corona: Pupillen-Check statt PCR-Test

Als Tech-Enthusiast verfolgt unser Kolumnist Markus Sekulla seit Beginn der Pandemie, wie digitale Lösungen in der Krise helfen können. Neben Apps und Impfpässen gibt es vor allem auf der Seite der Diagnostik Quantensprünge, die der Gesundheitsbranche auch nach Corona helfen könnten.

Digital is always better! Ein solcher Satz hätte von mir kommen können. Technische Lösungen für Fragen der Kommunikation und der Prozessoptimierung haben mich schon immer fasziniert. Das hat natürlich auch in der Coronazeit nicht aufgehört. Mein Freundeskreis würde sogar sagen: Es ist noch etwas schlimmer geworden. Meine Nackenhaare stehen immer zu Berge, wenn ich die Worte „Fax“ oder „Post“ höre.

Zum Glück haben sich in den vergangenen Monaten viele schlaue Köpfe Gedanken darüber gemacht, wie sich die Probleme von Corona – Stichworte: Diagnostik und Kontaktnachverfolgung – auch digital meistern lassen. Ob sich Corona beispielweise auch am Husten, mit einer Smartwatch oder mit Hilfe von KI erkennen lässt, haben wir auf //next bereits ausführlich untersucht.

Heute geht es – quasi als Teil vier dieser Health-Tech-Serie – um eine weitere digitale Form der Covid19-Diagnose: die Analyse der Pupillen.

 

Diagnose über’s Auge

Wir alle haben schon mal rote Augen gehabt. Sei es am schönen Ende eines Films, durch den klassischen Finger im Auge – oder weil wir die halbe Nacht vor dem Rechner gesessen haben. Bei einigen schweren Verläufen von Covid19 haben Wissenschaftler ebenfalls von roten Augen berichtet. Diese Verläufe lassen sich aber auch durch üblichere Symptome feststellen. Interessant wird es vor allem bei asymptomatisch erkrankten Patient:innen. Bei denen nämlich, so sagt das Münchner Unternehmen Semic RF, gibt es Möglichkeiten, über einen Smartphone-Scan zu erkennen, ob eine Infektion mit dem Corona-Virus vorliegt. Die Genauigkeit soll bei 97 Prozent liegen – und das Ergebnis nach drei Minuten da sein.

Was mir gefällt, ist die Fülle an Lösungen, die auf Technologien wie künstlicher Intelligenz beruhen – und die nicht nur gegen Corona helfen, sondern auch das Potenzial haben, für die Diagnostik anderer Krankheiten eingesetzt zu werden. 

Und bei Euch so?

Szenenwechsel: April 2021. In meinem Freundeskreis hat sich mittlerweile jeder Haushalt Antigen- Schnelltests besorgt. Und wenn man – was selten genug vorkommt – jemanden besucht, ist es mittlerweile ganz selbstverständlich, dass man bevor, man die Wohnung betritt, 15 Minuten noch auf das Ergebnis seines Schnelltests wartet.

Egal ob Pupillen-Scan, Hust-Test am Telefon, KI oder – ganz analog – per Antigen-Tests für zuhause: Je mehr Möglichkeiten wir haben, uns zu testen und uns gegebenenfalls schnell zu isolieren, desto besser sind wir alle im Kampf gegen Corona gewappnet. Allerdings: In diesem Fall ist digital nicht zwangsläufig besser, denn der Pupillen-Scan wird zunächst nicht für den privaten Gebrauch zur Verfügung stehen, der Anbieter setzt zu Anfang auf B2B-Anwendungen. Bleibt also zu hoffen, dass dieser innovative Ansatz zumindest in der Ärzteschaft rasch zur Anwendung kommt.

Text: Markus Sekulla