New Mobility

Die Zukunft der Mobilität auf dem Land

Das Auto mag vielleicht aus den Städten verschwinden – doch wie sieht es auf dem Land aus? Und wie kommen Landbewohner in Zukunft in die Stadt, fragt sich //next-Experte Don Dahlmann in seiner aktuellen Kolumne.

Unsere Mobilität verändert sich. Es ist nicht nur der Wechsel vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität, die uns in den nächsten Jahren beschäftigten wird. Auch die Digitalisierung wird die Art und Weise verändern, wie wir uns von A nach B bewegen. Das gilt vor allem für die Metropolen der Welt, in denen sich die Autos stapeln. Allein in Deutschland verbringt jeder Autofahrer im Schnitt pro Jahr 120 Stunden in einem innerstädtischen Stau. Städte wie Berlin, London, Amsterdam oder Paris planen daher ihre Zukunft mit einer deutlich reduzierten Menge an privaten Fahrzeugen. Der öffentliche Nahverkehr und autonome Shuttles sollen hier Abhilfe schaffen. 


Zu den Maßnahmen der Metropolen gehören aber auch Veränderungen an der Infrastruktur. So reduziert Paris die Zahl der öffentlichen Parkplätze am Straßenrand um bis 70 Prozent. Gleichzeitig werden Fahrspuren reduziert, damit mehr Fahrradwege entstehen können. Das Autofahren in der Innenstadt soll unbequemer gemacht werden, um die Einwohner der Metropolen davon zu überzeugen, dass der Besitz eines Autos nicht zwingend nötig ist.

So wichtig und richtig die Maßnahmen sind, sie verursachen auch Probleme. In den vergangenen 70 Jahren hat man in vielen Ländern eine Verkehrsinfrastruktur geschaffen, in der das Auto im Zentrum stand. Die Stadtplaner haben die Wohngebiete außerhalb der Stadt angesiedelt, und diese Wohngebiete sind mittels breiter Straßen an die Innenstädte angeschlossen. Die rasant steigenden Mieten der vergangenen 15 Jahre wiederum haben dafür gesorgt, dass viele Menschen aus der Stadt und ins Umland gezogen sind, aber weiterhin in der Stadt arbeiten. Die Staus auf den Ein- und Ausfallstraßen der Städte in der täglichen Rush Hour zeigen, wie viele Menschen täglich mit dem Auto in die Stadt pendeln. 

Fehlender öffentlicher Nahverkehr

Fehlen in der Stadt der Zukunft aber die Parkplätze und die breiten Straßen, bekommen diese Menschen ein Problem und es droht ein Teufelskreis. Das Hauptproblem ist der fehlende öffentliche Nahverkehr auf dem Land. Wer einmal versucht hat ohne Auto eine Stadt auf dem Land zu erreichen, kennt die Probleme. Züge gibt es schon mal keine und die Busse fahren, wenn man Glück hat, jede Stunde. Dazu kommt, dass die Einkaufsmöglichkeiten auf dem Land so weit auseinanderliegen, dass man ohne Auto keine Chance hat. Das Auto ist für ein Leben auf dem Land überlebenswichtig. 

Es gibt aber durchaus Überlegungen, wie man das Land besser an die Stadt anbinden kann und wie die Abhängigkeit vom Auto reduziert werden könnte. Eine wichtige Rolle spielen dabei autonome Shuttles und das Carsharing. Beide könnten im Zusammenspiel auch auf dem Land einiges verändern. 

Carsharing als nachhaltige Lösung?

Dass das Carsharing hier eine Rolle spielen wird, mag für manchen überraschend sein. Die Angebote, die es dafür in der Stadt gibt, werfen bisher nur selten Gewinne ab, warum sollten die Unternehmen also in Bereiche vorstoßen, in denen weniger Menschen wohnen und jeder mindestes ein Auto hat? Überraschenderweise funktioniert das kommunale Carsharing auf dem Land aber sehr gut. Der Bundesverband Carsharing vermeldete in den letzten Jahren immer wieder, dass kommunale Anbieter schwarze Zahlen schreiben und weiterwachsen.

Der Grund hierfür liegt in den gestiegenen Betriebskosten für ein Auto. Die Menschen schaffen zwar nicht ihr Auto komplett ab, Familien verzichten aber auf den Zweitwagen, wenn ein vernünftiges Carsharing Angebot vorhanden ist. Umfragen haben ergeben, dass der Zweitwagen kaum bewegt wird, aber man bezahlt monatlich natürlich ein paar hundert Euro für diesen Luxus. Lokales Carsharing kann hier eine nachhaltige Lösung sein.

Autonom fahrende Taxi-Shuttles

Dass das Carsharing in ländlichen Gebieten überraschend erfolgreich ist, haben auch internationale Konzerne bemerkt. Das zum Intel-Konzern gehörige Unternehmen Mobileye hat für 2022 den Start ihrer autonom fahrenden Taxi-Shuttles angekündigt. Los geht es in Tel Aviv und München, aber der Leiter des Projekts, Johann Jungwirth, hat schon angekündigt, dass das Angebot auf jeden Fall auch auf dem Land angeboten werden soll.

Aber wie soll ein so zunächst teures Angebot in Gegenden mit einer geringen Bevölkerungsdichte erfolgreich sein? Die Antwort: in dem sie eine Mischung aus öffentlichem Nahverkehr und Taxi-Diensten darstellt. Ein Beispiel dafür ist die Stadt Hamburg. Hier fährt der Ridesharing Dienst Moia seit einigen Jahren in enger Zusammenarbeit mit dem örtlichen Nahverkehrsanbieter HVV. Statt die Mini-Busse nur in der Stadt fahren zu lassen, setzt man sie ein, um die Lücken des Nahverkehrs in den Außenbezirken zu schließen. 

Kooperationen zwischen öffentlichen und privaten Anbietern

Das wird auch ein Modell für dünner besiedelte Gebiete in Deutschland sein. Statt viele Millionen in den Ausbau des Nahverkehrs zu stecken, werden Kommunen Verträge mit privaten Anbietern schließen. Das geschieht schon jetzt beim Carsharing und ist auch eine Lösung für autonome Shuttles. Diese werden dann einen von einem Fahrplan unabhängigen Service anbieten, der die Mobilität auf dem Land verändern wird. Dabei werden nicht nur Fahrten im Umland angeboten werden, sondern auch Zubringer in die Metropolen oder zu den Park and Ride Parkplätzen, die das Land mit den Metropolen verbinden.

Das wird das Auto in ländlichen Gebieten nie vollständig ersetzen können, aber es wird die Zahl der Fahrzeuge reduzieren. Damit wird sich auch die Verkehrsbelastung der Städte in der Rush Hour verringern, weil mehr Menschen auf die bequemere Variante des öffentlichen Nahverkehrs setzen können.  

Text: Don Dahlmann

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