Smart Data

Was macht Deutschlands Städte „smart“?

Hamburg ist zum dritten Mal Deutschlands smarteste City. Zu diesem Ergebnis kommt der Branchenverband Bitkom in seinem aktuellen „Smart City Index 2021“. //next verrät, mit welchen Angeboten welche Städte punkten konnten. 

Hamburg ist Deutschlands smarteste City.

Die Corona-Monate haben deutlich gemacht: Viele deutsche Kommunen und Städte haben in Sachen Digitalisierung noch Einiges nachzuholen. Klar wurde jedoch auch: Wer zu den digitalen Vorreitern gehört, kam besser durch die Pandemie.

Die Spitzenposition im jüngsten „Smart City Index“ des Bitkom nimmt weiterhin die Hansestadt Hamburg ein – nach 2019 und 2020 nun schon zum dritten Mal. Die Norddeutschen gewinnen vier der fünf Kategorien der Untersuchung. Mit großem Abstand nehmen Köln und Karlsruhe die Plätze zwei und drei im Gesamtranking ein. Verglichen mit 2020 gelang drei Aufsteigern der Schritt unter die besten zehn in Sachen Digitalisierung: Dresden, Bochum sowie Freiburg im Breisgau.

Die Top 10 der deutschen Smart Cities auf einen Blick:

  1. Hamburg (88,1 von 100 erreichbaren Punkten)
  2. Köln (79,3 Punkte)
  3. Karlsruhe (73,2 Punkte)
  4. München (72,7 Punkte)
  5. Darmstadt (72,5 Punkte)
  6. Dresden (71,5 Punkte)
  7. Bochum (71,2 Punkte)
  8. Stuttgart (71,1,0 Punkte)
  9. Berlin (70,3 Punkte)
  10. Freiburg im Breisgau (69,1 Punkte)
     



Das Ranking zeigt: Die kommunale Finanzlage ist auch 2021 nicht entscheidend für digitale Exzellenz.  Vielmehr gilt: „Erfolgsfaktoren sind ein engagiertes Rathaus, eine Digitalstrategie, klare Strukturen, ein gut geknüpftes lokales Netzwerk und die Teilhabe der Bevölkerung“, sagt Achim Berg. Seiner Meinung nach kommt es auf den politischen Willen und auf das Engagement an: „Es gilt, in der gesamten Stadt Begeisterung für die Digitalisierung auszulösen“, so der Bitkom-Präsident.

Der 2021er-Index offenbart zudem folgende Details:

  • In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen schneiden die Städte im Durchschnitt besser ab als im Rest Deutschlands. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen fallen die Ergebnisse dagegen schlechter aus.
  • Im digitalen Ranking gibt es kaum Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.
In den einzelnen Themenbereichen konnten insbesondere die nachfolgend genannten Städte punkten:


Themenfeld 1: Verwaltung

Die Nummer eins im Bereich „Verwaltung“ ist Stuttgart, gefolgt von Mannheim und Nürnberg. Die Baden-Württemberger punkteten vor allem beim Indikator „Payment“. Auch das digitale Serviceportal der Landeshauptstadt wird vom Bitkom als vorbildlich eingestuft.
 

Themenfeld 2: IT- und Kommunikationsinfrastruktur

Hamburg, Köln und München nehmen in dieser Kategorie die Spitzenplätze ein. Die Hanseaten erreichten bei den Indikatoren „Public WLAN“ und „Datenplattform“ die volle Punktzahl. Zudem kann sich das IoT-Netzwerk der Stadt sehen lassen.
 

Themenfeld 3: Energie und Umwelt

Die drei bestplatzierten Großstädte heißen Hamburg, Heidelberg und Stuttgart. Die Hansestadt ist zum Beispiel Vorreiter im Bereich intelligenter, dämmerungsabhängiger Straßenbeleuchtung sowie bei smarten Mülleimer, die ab einer gewissen Füllhöhe melden, dass zeitnah ihre Leerung ansteht. Zudem stellt die Großstadt ihre Flotte auf E-Fahrzeuge um, darunter auch die Hochbahn, und kann überdurchschnittlich viele Schnellladepunkte aufweisen. In Hamburg-Bergedorf wurde zusätzlich ein E-Car-Sharing-Projekt mit intelligenter Ladeinfrastruktur gestartet.
 

Themenfeld 4: Mobilität

Auch in diesem Bereich ist Hamburg die smarteste deutsche Großstadt, gefolgt von Berlin und Bochum. Die Norddeutschen verbuchen bei nahezu allen Indikatoren die volle Punktzahl, zum Beispiel beim smarten Verkehrsmanagement, beim smarten Parken oder mit dem umfassenden Sharing-Angebot. Dank einer App können Nutzer aus allen zur Verfügung stehenden Verkehrsmitteln die schnellste Route zusammenstellen und die hierfür notwendigen Tickets buchen. Zudem macht ein innovatives Mobilitätsprojekt autonomes Fahren in der Hamburger Hafen City möglich.

 

Themenfeld 5: Gesellschaft

Auch in diesem Bereich liegt die Hansestadt in Front und verweist Köln sowie Dresden auf die Plätze zwei und drei. Die Hamburger können über die digitale Bürgerbeteiligungsplattform zum Beispiel die Sitzung der Bürgerschaft live per Stream verfolgen.
 

Fazit: Die vier Bitkom-Empfehlungen

Der Branchenverband Bitkom ist sich sicher: Digitale Technologien erhöhen die Lebensqualität der Bürger und steigern die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der Kommunen. Damit die Digitalisierung künftig noch stärker in den deutschen Städten vorangetrieben werden kann, empfahl der Branchenverband bereits im vergangenen Jahr…

  • … die Einsetzung eines Gremiums, das bundesweite Standards festlegt, Maßnahmenpläne koordiniert sowie die Förderstrategien von Bund und Länder aufeinander abstimmt.
  • …, dass die Kommunen explizit bei GAIA-X berücksichtigt werden, um die EU-Vorgaben in puncto Cloud- und Datenplattformen sicher erfüllen zu können.
  • … die Kooperation von Kommunen und Wirtschaft, um mithilfe von innovativen digitalen Technologien die Erreichung der Klimaziele realisieren zu können.
  • … einen Schuldenschnitt für überschuldete Kommunen, sofern diese die gewonnenen Finanzspielräume für Digitalisierungsprojekte nutzen.
     

Weiter Detailergebnisse zum Smart-City-Index sowie eine interaktive Online-Karte mit den Ergebnissen in allen Teilbereichen gibt es hier beim Bitkom: www.bitkom.org/Smart-City-Index


Text: Susanne Widrat