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App Entwicklung: Low-Code, keine Grenzen?

Heutzutage muss man kein Designer sein, um schöne Designs zu erstellen (z.B. Canva, Visme, Crello). Man muss kein Architekt sein, um Baupläne zu skizzieren (Homestyler, Planner 5D). Und man muss kein Entwickler sein, um Apps zu schreiben. Gemeinsam mit Daniel Vahla, Experte für Anwendungsentwicklung, stellt Alexandra Buszko, Digital Product Owner bei ERGO Technology & Services, das Thema Low-Code-Entwicklungsplattformen vor und zeigt, wie sie den Arbeitsalltag verändert haben. 

Von Daniel Vahla, Managed Cloud Application Developer, und Alexandra Buszko, Digital Product Owner bei ERGO Technology & Services

Der Aufstieg der Low-Code-Entwicklungsplattformen

Low-Code-Entwicklungsplattformen haben ihre Wurzeln in der Mitte der 90er Jahre, als die digitale Transformation so richtig losging. Datenmanagement, Informationsmanagement begannen sich zu digitalisieren und damit auch die Geschäftsprozesse. Warum eigentlich? Um die täglichen Aufgaben zu erleichtern, und um Ressourcen jederzeit und überall verfügbar zu machen. 

Eine solche Transformation erforderte eine große Anzahl von Programmierern und natürlich viele Investitionen in die IT-Infrastruktur. Geld für Spezialisten ist die eine Sache, aber auf der anderen Seite sind die Ressourcen begrenzt und hier kommen die Low-Code (oder sogar No-Code) Entwicklungsplattformen (LCDP) ins Spiel. 

Die Hauptidee der LCDP ist:

  • Einfachheit der Nutzung
  • Verfügbarkeit 
  • Integrität
  • Leichtigkeit des Wachstums/Erweiterung

Die meisten LCDPs basieren auf Drag-and-Drop-Lösungen oder dem Point-and-Click-Mechanismus der grafischen Oberfläche (kommt Ihnen das bekannt vor?). Mit einer LCDP kann der Anwender Web-Apps erstellen, Geschäftsprozesse automatisieren oder sogar mobile Apps bauen. 

Helle Seiten? 

Zunächst einmal ist die No-Code- und Low-Code-Entwicklung sehr attraktiv, um Kosten zu senken. Sie können beliebige Mitarbeiter für die Entwicklung in einer No-Code-Umgebung schulen, und sie werden Anwendungen für ihre Bedürfnisse erstellen. Erfahrene Programmierer werden sich für Low-Code entscheiden, um die Entwicklungszeit zu verkürzen.

Plattformen zur Erstellung von Anwendungen und Websites mit wenig bis gar keinem Code konzentrieren sich darauf, die lästigen Teile der Entwicklung zu abstrahieren; oft wird eine Hosting-Option angeboten. Manchmal steht auch ein ganzes Ökosystem von Plugins, Konnektoren oder Widgets zur Verfügung. Die Vereinfachung des Entwicklungsprozesses führt zu geringeren Anforderungen für die Mitarbeiter, um in der Entwicklung einzusteigen.

In den meisten Fällen macht der Low- oder No-Code-Ansatz den Entwicklungsprozesses flxibel. Widgets werden durch einfaches Ziehen mit der Maus ein- und ausgeblendet, Anpassungen des logischen Ablaufs werden mit Bausteinen vorgenommen, und die Ergebnisse sind in Echtzeit als Vorschau verfügbar.

Dunkle Seiten?

Wie bei jedem Tool, das viel verspricht, gibt es auch Schattenseiten.

Am wichtigsten ist, dass die Anwendungen auf das Ökosystem beschränkt sind, das die Plattform bereitstellt. Wenn Sie nicht genau den Graphen finden, den Sie einbinden wollen, ist es für einen unerfahrenen Programmierer nahezu unmöglich, einen neuen Graphen von Grund auf zu entwickeln.

Wenn Ihr Produkt ein gewisses Maß an Interkonnektivität mit anderen Diensten erfordert, ist es vielleicht besser, einen traditionellen Ansatz zu wählen. Ein weiterer Aspekt, der beachtet werden muss, ist, dass Sie in Schwierigkeiten geraten könnten, wenn Sie sich entscheiden, Ihren Entwicklungsweg zu ändern und die Plattform keinen Code-Export bietet.

Dann ist da noch eine Sache, die oft vergessen wird - die Sicherheit. Schließlich arbeiten die von Nicht-Programmierern erstellten Anwendungen immer noch auf den Datenbanken und Diensten Ihres Unternehmens, aber ohne technisches Fachwissen könnte man am Ende sensible Daten preisgeben oder zerstörerische Operationen durch nicht autorisierte Benutzer zulassen. Diese Gefahr ist nicht zu unterschätzen.

Anwendungsfälle

Ein LCDP ist ein Werkzeug, das entsprechend Ihrer Bedürfnisse ausgewählt werden sollte. Rollt Ihr Entwicklungsteam einfache Websites zur Anzeige von Inhalten aus? Werfen Sie einen Blick auf Wordpress, eine bewährte Plattform, die in der Webentwicklung führend ist. Wenn Ihr Unternehmen auf Business Intelligence angewiesen ist, um den Wert für Kunden zu steigern, dann haben die großen IT-Unternehmen ein Tool genau für Sie. Oracle, Salesforce oder Microsoft bieten eine Plattform für die Entwicklung von Low-Code-Apps, die mit dem Rest ihres Ökosystems verknüpft werden können. Wenn Sie etwas mehr Kontrolle und mögliche Erweiterungen in der Hand haben wollen, warum nicht mit Mendix arbeiten? Diese Plattform bietet ein ganzes Ökosystem von Plugins, Widgets und sogar App-Vorlagen, mit einer eigenen Cloud- oder On-Premises-Hosting-Laufzeitumgebung.

Bemerkenswert ist, dass sich auch die großen Cloud-Anbieter der Low-Code-Bewegung anschließen. AWS mit Honeycode, Azure mit PowerApps und Google mit AppSheet sind bestrebt, einen Marktanteil zu gewinnen und die Nutzung ihrer Cloud-Angebote zu steigern. 

Mit dem explosionsartigen Wachstum des LCDP-Marktes werden wir bald alle in der Lage sein, Anwendungen zu entwickeln – auch wenn wir sicherlich nicht als Programmierer bezeichnet werden können. 

Die Autoren

Daniel Vahla arbeitet als Managed Cloud Application Developer für Nordcloud. Er beschreibt sich selbst als "Digital Builder und Cloud-Experte mit Superkräften, der sich moderne Cloud-Technologien zunutze macht". 

Aleksandra Buszko ist Digital Product Owner bei ERGO Technology & Services. Seit fast drei Jahren arbeitet sie in Projekten im Bereich Mobile Apps, zunächst als Analystin, jetzt als Product Ownerin. Gemeinsam mit dem Team arbeitet sie an verschiedenen Apps aus dem ERGO Portfolio. 

Derzeit widmet Aleksandra die meiste Zeit der Entwicklung einer brandneuen IoT-App, die bald gelauncht werden soll.

Hier finden Sie den ersten //next Artikel von Aleksandra Buszko über Die Zukunft von mobilen Apps.