Trends

MWC 2022: Auf der Suche nach echten Innovationen

Vor einigen Tagen fand in Barcelona wieder ein Mobile World Congress statt. Der erste wirkliche MWC seit drei Jahren, da die Pandemie die Fira in Barcelona für zwei Jahre in ein Geisterhaus verwandelt hat. Der MWC war neben CES und IFA immer ein Sinnbild für neuste Technik. Grund genug für unseren Kolumnisten Markus Sekulla, sich die vorgestellten Devices und Spielereien näher anzuschauen.  

Copyright: Fira de Barcelona Copyright: Fira de Barcelona

Noch war es nicht wieder wie ein richtiger MWC. Zwar geht nichts über die Messe in Barcelona, was vor allem am immer freundlichen Wetter am Mittelmeer liegt, das wintergeplagte Tech-Journalisten und -Liebhaber alljährlich in die katalanische Hauptstadt pilgern ließ. Dieses Jahr war es wieder so. Zwar zählten die Veranstalter mit 60.000 Besucher:innen auf dem MWC 2022 nur knapp die Hälfte von 2019 (109.000), das tat der Freundlichkeit von Land, Leuten und Messebesucher: innen jedoch natürlich keinen Abbruch. Allerorts war man froh, dass man überhaupt wieder zusammengekommen ist, um über etwas anderes zu reden als Corona. Durch die geopolitische Lage Ende Februar 2022 ist die Stimmung jedoch wieder sehr gedrückt gewesen, und so kam das typische Partyfeeling auch in diesem Jahr noch nicht wieder auf.

Abhängigkeiten von internationalen Lieferketten

Das Bild in Barcelona war wie gewohnt. Bei interessanten Ständen bildeten sich Schlangen, für mit Spannung erwartete Produkt-Launches fuhr man durch die Stadt zu hippen Locations, doch nach vielen Stunden Messe-Tag mit Maske, erfreuten sich die meisten Messebesucher:innen an landesüblicher Küche und guten Drinks.

Die anhaltenden Krisen auf der Welt sind auch bei jedem Gespräch auf dem MWC deutlich geworden. Kaum eine Branche ist so sehr von internationalen Lieferketten und Rohstoffen abhängig, wie die Tech-Branche. Hier herrschte eher pessimistische Stimmung, selbst bei den Dickschiffen der Branche.

Keine weltbewegenden Neuerungen

Der MWC 2022 war in einigen Teilen auch das, was er schon immer war. Neue Smartphones hier, neue Smartphone da. Wenn man ehrlich ist, und das ist in der Branche selbst eigentlich jeder, dann gibt es so gut wie keine weltbewegenden Neuerungen in der Smartphonewelt. Und das ist schon seit einigen Jahren der Status Quo. Ein paar cm mehr Bildschirm, etwas mehr Akkulaufzeit, mehr CPU, besseres Machine Learning und so weiter. Schon mit Devices von vor fünf Jahren konnte man atemberaubende Bilder machen. Und selbst die auffälligeren Veränderungen, wie zum Beispiel klappbare Displays scheinen auch nicht die Innovation des Jahres.

Einige Unternehmen, wie etwa Mymanu versuchen sich an Devices, die Funktionen haben wie Smartphones, aber keine Screens mehr haben, sondern nur über Voice steuerbar sind. Klingt innovativ, aber wir brauchen noch mehr Neues, noch mehr Veränderung.

Hardware fürs Metaverse 

Der Dauerbrenner beim Thema Veränderung: das Metaverse. Man kann zum Metaverse stehen, wie man möchte. Ich zum Beispiel bin noch kritisch ob der Anwendungsgebiete und ob ich digitalere Welten außerhalb von Zoomcalls brauche. Ich bin aber auch Baujahr 1980 und muss mir immer den Vorwurf von jüngeren Leuten gefallen lassen, dass ich das alles irgendwie auch nicht verstehe. Das räume ich gerne ein.

Was ich weiß ist – und das ist etwas, was die jüngeren Leute einräumen müssen –, dass die notwendige technische Infrastruktur nicht hinter dem Metaverse-Hypetrain hinterherkommt. Das wurde auf dem MWC deutlich. Irgendwie ähnelt die Situation dem sich gegenseitigen Bedingen von E-Autos und den E-Ladestationen. Daher macht sich unter Techies immer mehr das Gefühl breit, dass das Metaverse zur enttäuschten Liebe wird, bevor es wirklich beginnt.  Es beschlich einen das Gefühl, jedes Unternehmen würde gerne mit dabei sein und hat sich daher einfach mal die Metaverse-Tapete an den Messestand geklebt. Frei nach dem Motto, mal sehen, ob wirklich mal jemand nachfragt. 

Was beim Metaverse langsam gute Formen annimmt, ist die menschliche Schnittstelle. Vorstöße wagen Unternehmen wie HTC oder Lynx mit Hardware, die immer besser wird und auf eine digitalere Zukunft hoffen lassen. In dieser Hoffnung bildeten sich zum Beispiel bei HTC eine konstante Schlange von Leuten, die gerne die Vive Flow testen wollten.

Fazit

Die Welt braucht kein Laptop mit Akkulaufzeit von 28 Stunden und auch keine noch bessere Kamera in dem Smartphone. Die Welt braucht kluge digitale Konzepte, die uns im Kampf gegen die Klimakrise helfen und unser Leben einfacher machen. Wie in jedem Jahr gab es beim MWC immerhin einige gute Ansätze. Und ich hoffe, dass mehr daraus wird!

Text: Markus Sekulla