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Holografische Teleportation erlaubt virtuelle Treffen ohne Avatare

Holografische Teleportation mag nach Science-Fiction klingen. Doch nun haben sich Wissenschaftler, Studierende und Ingenieure aus Kanada und den USA mit dieser Technologie erstmals über Tausende Kilometer hinweg virtuell getroffen. Nicht wie bislang per Videocall oder verkörpert durch Avatare, sondern abgefilmt in Echtzeit und in voller – holografischer – Körpergröße. Und sich am womöglich ersten virtuellen Handschlag der Geschichte versucht. //next skizziert die zu Grunde liegende Technologie und nennt potenzielle Anwendungsmöglichkeiten.

Holografische Teleportation – oder kurz auch Holoport – ist eine Wortneuschöpfung aus Hologramm und Teleportieren: Das in echtzeit gefilmte Abbild einer Person oder eines Objekts – kein Avatar – wird quasi in Echtzeit an einen anderen Ort übertragen. So geschehen Ende Juli zwischen dem Campus der kanadischen Western University und Huntsville im US-Bundesstaat Alabama.

Die Technologie basiert auf Hardware von Microsoft und Software des texanischen Anbieters Aexa Aerospace: Eine spezielle Kamera erstellt ein holografisches Bild der zu transportierenden Person und überträgt dieses an den Gesprächspartner am Zielort, der den Gast durch eine VR-Brille sieht. Wenn beide Personen eine solche Brille tragen, können sie miteinander in ihrer virtuellen Umgebung interagieren, als ob sie tatsächlich beide vor Ort beieinander wären.

Auch wenn das Experiment und die Chance, sich körperlos über Tausende Kilometer zu treffen, für die Studierenden ein tolles Erlebnis waren: Die Anwendungsmöglichkeiten etwa in der Medizin faszinierenden sie nach eigener Aussage noch viel mehr.


Obwohl es noch einiges zu tun gibt, um eine virtuelle medizinische Untersuchung über die Hololens auch wirklich im medizinischen Alltag in die Realität umzusetzen, freut sich Adam Levschuk auf die weiteren Entwicklungen dieses technologischen Ansatzes. Er biete große Chancen etwa für die medizinische Versorgung in abgelegenen Regionen. Der Student kann außerdem damit prahlen, sich am ersten virtuellen Händedruck über internationale Grenzen hinweg versucht zu haben.

Nächste Ausbaustufe: Haptik

Als einen der nächsten Schritte planen die Wissenschaftler, auch Biosensoren in das Hardware-Setup zu integrieren, um beispielsweise die Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung der Reisenden zu überwachen und das Erlebnis um haptische Eindrücke zu ergänzen. Haptik ist die Wissenschaft und Technologie der Übertragung und des Verständnisses von Informationen durch Berührung – was bei einem Hologramm derzeit noch fehlt, obwohl sie ja bei medizinischen Untersuchungen eine große Rolle spielen würde. Oder auch bei Fernwartungen oder Reparatureinsätzen, etwa in der Raumfahrt – was als weitere Anwendungen von Holoport gehandelt werden. Mehr spannende Infos zur Forschung, Technologie und geplanten Ausbaustufen lest Ihr auf Englisch auf den Webseiten der Universität:


Text: Ingo Schenk

Die englische Version dieses Artikels gibt es hier: Holographic teleportation allows for virtual meetings without avatars