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Cloud in der Versicherung: Die Wolken verdichten sich

Die Versprechungen sind groß: Die Cloud bietet Versicherern für den Aufbau von flexibleren und kundenorientierten Geschäftsmodellen mit profitablen Wachstumsgelegenheiten viele Chancen. Kurz gesagt, die Cloud-Welt hilft ihnen, die in die Jahre gekommene Legacy hinter sich zu lassen. Selbst der Meinungsforscher Gartner prognostiziert, dass „bis 2025 Cloud-native Plattformen als Grundlage für mehr als 95 Prozent der neuen digitalen Initiativen dienen.“ 

Dabei waren Versicherungsunternehmen traditionell mit Cloud-Initiativen eher zurückhaltend. Die Einstellung zur Cloud hat sich inzwischen jedoch auch in dieser Branche gewandelt. Gespräche kreisen mittlerweile mehr um das „Wann und Wie“ als um das „Warum“. Für viele Versicherungsunternehmen gehört ein hybrider Plattform-Mix mehr und mehr zum Tagesgeschäft. Insbesondere neue Anwendungen nebst ihrer Daten werden zunehmend mit Cloud-Technologien und in der Cloud realisiert.

Aus Sicht von ERGO Deutschland CIO Mario Krause ist das Thema Cloud mittlerweile zu einer Kernherausforderung mit strategischem Charakter mutiert und deshalb Grund genug, sich damit intensiver zu beschäftigen.


Coud-Transformation nicht von heute auf morgen machbar

Viele Versicherungen agieren in einem komplexen Regulierungsumfeld mit historisch gewachsenen IT-Landschaften und silohaften Organisationsstrukturen. Die Modernisierung und Erneuerung dieser Welt werden noch viele Jahre dauern. Deshalb geht ein Umzug in die Cloud mit verschiedenen Herausforderungen einher. Dies beginnt beim passenden Technologie-Stack in der Entwicklung und setzt sich über Integrationsarchitektur, Kosten- / Leistungsverrechnung, Servicestruktur, Standards, Gestaltung von offenen Programmierschnittstellen (Application Programming Interfaces, API) oder Fragen der Cyber Security oder Security-Compliance fort, um nur einige Punkte zu nennen. Nötig sind außerdem eine Anpassung des Operating Models, eine organisatorische Einbettung und passend befähigte Mitarbeiter. Daraus wird ersichtlich, dass die Einführung und Nutzung von Cloud-Technologie für sich betrachtet ein Transformationsprojekt darstellt, das nicht von heute auf morgen umgesetzt ist.

Hybrid dominiert – 100 Prozent Cloud ist Zukunftsperspektive

Cloud ist nicht gleich Cloud. Typischerweise findet eine „Schwarz/Weiß“ Diskussion im Sinne entweder oder statt. Die klassische Ausgangssituation ist das On-Premise bzw. On-Site Betriebsmodell. Dies baut auf bekannten rechtlichen Rahmenbedingungen auf und setzt in regelmäßigen Zyklen Investitionen in Infrastruktur und Hardware voraus. Dies bietet dann auch die Möglichkeit eines Anbieterwechsels (geringer Vendor-LockedIn). Die für den Betrieb erforderlichen Ressourcen und Skills sind meistens im Hause vorhanden.

Mit der Cloud-Thematik wird bei Versicherern auch juristisch Neuland betreten – insbesondere im Hinblick auf die Datenschutz- und Datensicherheitsthematik. Anstellen regelmäßiger Investitionszyklen treten Pay-per-Use-Modelle in den Vordergrund. Meistens werden mit einem Cloud-Anbieter auch entsprechende Services auf Anwendungsseite in Anspruch genommen, sodass ein Wechselmöglichkeit aufgrund Vendor-LockedIn zumindest erschwert ist.

Zwischen diesen beiden Polen gibt es noch eine Reihe von Abstufungen, wie zum Beispiel private Cloud oder hybrid Cloud. Eine hybride Cloud ist eine Multi-Cloud-Infrastruktur, die mindestens eine öffentliche und eine private Cloud umfasst. Die private Cloud kann entweder physisch vor Ort (auf Basis der bisherigen Infrastruktur), eine eigene virtuelle Cloud oder eine von einem Drittanbieter gehostete private Cloud-Einrichtung sein.

Private Clouds sind in der Regel für Workloads (Arbeitslasten) mit sensiblen Daten zuständig, wie es häufig bei Versicherern der Fall ist, können aber auch für andere Anwendungsfälle wie die Minimierung von Latenzzeiten genutzt werden.

Aufgrund der zeitlichen Transformationserfordernisse geht die Entwicklung bei Versicherern mehr in Richtung von hybriden Konstrukten. Das kurzfristig alles in der Cloud landen wird, ist in dieser Branche Zukunftsmusik.

Cloud als weiteres Werkzeug im Werkzeugkasten der Versicherer

Die Versicherungsindustrie steht unter Transformationsdruck. Dem Umgang mit historisch gewachsenen Welten steht der Anspruch nach Digitalisierung, Effizienz und Geschwindigkeit gegenüber. Cloud-Technologien sind hier ein weiteres Werkzeug und Hilfsmittel, um an den richtigen Stellen entsprechende Lösungen passgenau bereit zu stellen. Hierfür sind diese zielgerichtet Nutz- und Einsetzbar. Eine Diskussion einer 100 Prozent-Cloudifizierung geht zumindest für Versicherer, die schon lange Jahre am Markt sind, am Ziel vorbei.