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Transformation 2022: Die Reise hin zu modernen IT-Welten geht weiter

Echte Transformation stellt Versicherer nicht nur vor dem Hintergrund der erneut aufgeflammten Pandemie vor Herausforderungen. Obwohl das Silo- Denken vielfach überwunden ist, steckt es in Form von Legacy-Architekturen in den Architekturen. Verantwortliche auf allen Ebenen können deshalb oft nicht von „der grünen Wiese aus“ denken und agieren. Ein Umlegen des Schalters von heute auf morgen in schöne neue agile Welten, so wünschenswert dies auch wäre, wird es deshalb aus Sicht von ERGO Deutschland CIO Mario Krause in der Assekuranz nicht geben. 

In der Transformation von alten zu neuen Welten sind vielmehr hybride Ansätze gefragt. Erfolgreich Transformation gelingt deshalb nur bei passender Orchestrierung von vier Erfolgsfaktoren. (1) Portfolio, (2) Architektur, (3) Prozesse und (4) Organisation.  

  1. Portfolio-Management

    Seit jeher ist das Multiprojekt-Management eine feste Disziplin in der Steuerung von IT-Organisationen. Dies reicht für umfangreiche Transformationen bei weitem nicht aus. Vielmehr ist es durch mehrstufiges Portfolio-Management zu ersetzen, welches moderne Planung und Steuerung aller Transformationsvorhaben erlaubt. Die erste Stufe im Sinne eines Investitionsportfolio-Managements beschäftigt sich dabei mit der Verteilung von Budgets. Sind diese erst einmal geplant und fixiert, kümmert sich das Projektportfolio-Management um passende Ressourcenverteilung und die Umsetzung in Projekten.

    Besonders in großen Unternehmen wird immer noch ein Großteil der Budgets für Veränderungen in der historisch-gewachsenen, klassischen Welt eingesetzt. Das Aufräumen der Legacy wird auch über Jahre hinweg noch entsprechenden Bestand sowohl im Investitions- als auch Projektportfolio haben.
  2. Architekturen

    Die IT-Architektur in vielen Versicherungen ist durch die Alt-Welt mit ihren technischen Architekturen gewachsen. Ich habe dies in einem früheren Beitrag schon einmal ausgeführt. Die Systemlandschaften sind über Jahre hinweg mit immer mehr Fachlichkeit und Businesskomplexität angereichert worden. Ein 1:1-Ersatz schafft für das Business zunächst keine zusätzlichen Effizienz- oder Wachstumsgewinne. Dazu kommt, dass kaum Systembeschreibungen vorhanden sind und der Programmcode oft schlecht dokumentiert ist. Allen ist klar, dass der effektivste Weg zur Erneuerung der Legacy-Welt darin besteht, ein neues System oder neue Systeme einzuführen. Was so einfach klingt, ist in der Praxis mit viel Arbeit verbunden. Die Realität sieht deshalb so aus, dass die Front-End-Systeme in Richtung Microservice-Welt umgebaut werden und die Altsysteme als Backbone fungieren (Hybride Architekturen).  Dies stellt in vielen Umgebungen den Schwerpunkt der Arbeit in den nächsten Jahren dar.
  3. Prozesse

    Viele Unternehmen tun sich schwer, einen verlässlichen und verständlichen Rahmen für Software Entwicklung jenseits einer Team-Ebene zu schaffen. Die Botschaft der heutigen Zeit ist klar: Alles muss agil sein. Aber auch Agilität hat ihre Tücken. Angefangen bei der Fragestellung, was denn überhaupt unter „agil“ zu verstehen ist. Die Beschreibung des SCRUM-Prozesses auf einem Bierdeckel zum Beispiel lässt doch sehr viel – um nicht zu sagen zu viel – Spielraum für Interpretationen.

    Die gute Nachricht: Es gibt hybride Modelle, die einen einheitlichen Schirm über alle Software-Entwicklungsverfahren spannen und sowohl sequentielles, wasserfall-artiges Vorgehen als auch agilen Varianten ermöglichen. Insofern lassen sich die Prozesse passgenau zuschneiden auf den passenden Fall – in der Altwelt eher Wasserfall und in der Neuwelt eher agiler.
  4. Organisation

    Selbstverständlich hat Veränderung und Transformation auch immer Auswirkungen auf die Strukturen. Auch diese sind im Zuge der Weiterentwicklung anzupassen. Esist nicht mehr in starren Linien- sondern in hybriden Transformationsorganisation zu denken, in denen gegebenenfalls auch internationale Einheiten zur Beseitigung von Ressourcen- und Skill-Engpässen ihren Platz haben.

    Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Informationstechnologie zur Speerspitze der Veränderung und Transformation der Geschäftsseite mutiert. Dies hat dann auch ganz neue Kooperationsmodelle zwischen Geschäfts- und IT-Seite zur Konsequenz. Was sich dann „im Kleinen“ bewährt, führt evolutionär „im Großen“ zu strukturellen Anpassungen. Als Konsequenz ergeben sich auch hier im Zeitverlauf hybridere Strukturen in Sync mit Prozessen und Architekturen. Linien bilden hier die organisatorische Heimat und fungieren als Leitplanken. 
     

Ein wesentlicher Schlüssel zum Transformationserfolg liegt in der situativen Orchestrierung dieser vier Faktoren. So gelingt aus meiner Sicht die Reise zu modernen IT-Welten und der konsequente Umbau unter Würdigung und Berücksichtigung des Bestehenden. In der Gestaltung des hybriden Wegs liegt die Herausforderung und dies wird auch jenseits des Jahres 2022 noch Bestand haben. Ich freue mich darauf.