Trends

Hyperconnectivity: Viel mehr als nur das Metaverse

Das aktuelle „Tech Trend Radar“ von ERGO und Munich Re umfasst 44 Trends in fünf Themenfeldern, die wir uns hier auf //next in einer Serie genauer ansehen möchten. Den Anfang machte unsere ausführliche Analyse zu „Wellbeing“, nun wenden wir uns „Hyperconnectivity“ zu: Was hat es mit diesem Trendfeld auf sich – und welche einzelnen Trends – außer dem Metaverse – verbergen sich dahinter?

Tech Trend Radar, Themenbereich Hyperconnectivity

Das „Tech Trends Radar 2022“ definiert „Hyperconnectivity“ als Sammelbegriff für die unterschiedlichsten Ausprägungen von Netz- und Infrastrukturtechnologien. „Er umfasst darüber hinaus auch Technologien, die die Kluft zwischen der physischen und der digitalen Welt überbrücken“, ergänzt Martin Thormählen von Munich Re, einer der beiden Projektleiter hinter dem diesjährigen Radar. Ein ausführliches Interview mit ihm und seinem Kollegen Daniel Grothues von ERGO lest Ihr hier.

Als dynamischsten Trend in diesem Trendfeld nennt Thormählen das Metaverse – eine vollständig virtuelle Welt, die über Virtual-Reality-Brillen zugänglich ist. Wie wir auf //next bereits skizziert haben, gibt es noch nicht ein einziges Metaverse, sondern es entwickeln sich parallel zueinander mehrere virtuelle Welten unterschiedlicher Anbieter. Auch Versicherer sollten die Entwicklung dieser virtuellen Welten angesichts ihres gewaltigen Marktpotenzials sehr genau beobachten. Warum, lest Ihr weiter unten in diesem Beitrag.

Doch was macht das „Hyper“ in „Hyperconnectivity“ eigentlich aus? „Wir sprechen hier von einer erweiterten Form der Konnektivität, die verschiedene Systeme, Geräte und Organisationen verbindet – etwa durch eine Data-Fabric-Infrastruktur (mehr zu diesem Trend weiter unten) –, und die mehr Bandbreite und Geschwindigkeit bietet, etwa wie der aktuelle 5G-Mobilfunk-Standard oder künftig sogar 6G“, erklärt Studienautor Daniel Grothues von ERGO. „Hyperconnectivity“ sei somit eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau digitaler Infrastrukturen.


Welcher Trend hat welchen Reifegrad?

Details zu den sechs Trends im Trendfeld „Hyperconnectivity“ findet Ihr weiter unten, doch zunächst sei daran erinnert: Die Studie unterteilen alle Trends in die vier unterschiedlichen Reifegrade:

  • hold („auf die Beobachtungsliste setzen")
  • assess („überlegt, was dies für Euer Unternehmen bedeuten könnte")
  • trial („erste Initiativen sollten in den am stärksten betroffenen Geschäftsbereichen gestartet werden")
  • adopt („nutzt beherzt die Vorteile dieser Technologie!")

Doch welche Empfehlung gilt nun für was?

Dreimal „adopt“…

Beherzt umsetzen sollten Versicherer laut „Tech Trend Radar 2022“ die folgenden drei Trends:

  1. Data Fabric: Die Technologien hinter diesem Sammelbegriff ermöglichen eine einheitliche Datenumgebung selbst in dezentralen Computernetzwerken – also auch zwischen beispielsweise Rückversicherer-, Versicherer-, Makler- und Drittanbieter-Netzwerken. Wir können sie uns als eine Art Standardisierungslösung für Daten vorstellen, die aus unterschiedlichsten Quellen stammen – und die sich dank dieses Trends nun für unterschiedlichste Zielgruppen auf nur noch einer Plattform bereitstellen lassen. Da ein solcher „Ökosystem-Ansatz für Daten“ immer wichtiger wird für den Geschäftsbetrieb, lautet die Empfehlung der Studienautoren klar: „adopt“!
  2. Edge Computing: Was ist effizienter? Daten im Zentrum eines Netzwerks zu verarbeiten – oder dort, wo sie entstehen? Richtig: letzteres. Und so empfiehlt es sich laut „Tech Trend Radar 2022“ in Bereichen wie Telematik, Logistik oder Lieferkettenmanagement, Daten möglichst dezentral verarbeiten zu lassen. Und sei es am Rande eines Netzwerks, was diesem Trend auch seinen Namen gibt. Eine intelligente Kamera beispielsweise braucht nicht ständig Bilder an einen Zentralrechner zu streamen – es reichen die Momente, in denen sie Bewegung bemerkt. Bis dahin kann sie ihre Aufnahmen selbst verwalten. Die nötige Rechenpower und vor allem IT-Sicherheit vorausgesetzt, birgt dieser Trend auch für Versicherer enormes Potenzial.
  3. 5G: Der aktuelle Mobilfunkstandard ist bis zu 40 mal schneller als sein Vorgänger LTE und gilt laut Studie somit als „Beschleuniger für radikale digitale Weiterentwicklungen“ in bestehenden Branchen – einschließlich selbstfahrender Autos, im Gesundheitswesen sowie in intelligente Fabriken. Auch Versicherer profitieren von stabilen Datenströmen in Echtzeit. Zusätzlich wünschenswerte Funktionen werden für den Nachfolger 6G bereits eingeplant. 
     

... einmal „trial“…

  1. Enhanced Reality: Egal ob in VR-Meetings, bei AR-Anwendungen oder dem Einsatz von Hologrammen: In Zukunft dürften physische und virtuelle Personen und Objekte mehr und mehr interagieren und – zumindest zeitweise – in gemischten Realitäten miteinander verschmelzen. Schon heute kann eine Person, die sich ein Produkt anschaut, kontextbezogene Informationen sehen, die visuell integriert und zugleich virtuell überlagert werden. Indem die Versicherungswirtschaft die sich hierdurch ändernden Kundenbedürfnisse rechtzeitig aufgreift, erschließt sie sich nur neue Wege zur Risikobewertung, sondern auch weitere aussichtsreiche Einnahmequellen.
     

... sowie zweimal „assess“

  1. Metaverse: Dieser Megatrend war nicht nur in diesem Artikel, sondern general auf //next bereits ein Thema – unter anderem, weil ERGO damit schon eigene Erfahrungen gemacht hat. In das „Tech Trend Radar“ wurde er dieses Jahr erstmals aufgenommen, weil es inzwischen auch konkreten Bezug zum Versicherungsgeschäft gibt: „Große Internetfirmen wie Meta und Apple investieren Milliarden in Hard- und Software und es gibt erste Meta-Versen, die man besuchen kann“, sagt Daniel Grothues zur Begründung: „Die Vision der Macher ist, dass die Menschen zukünftig einen Teil ihres Lebens in solchen virtuellen Welten verbringen werden und natürlich dort gut angesehen sein wollen. Das heißt:  Es wird digitale Wertgegenstände und Statussymbole geben, etwa Grundstücke, Häuser & Kleidung, für die auch Risiken existieren. Wenn das so kommt, werden die Nutzer diese Risiken absichern wollen, brauchen also ‚Metaverse-Versicherungen‘. Aktuell sind das aber Versprechen auf die Zukunft, weshalb wir empfehlen, das Thema zu beobachten und noch keine großen Investitionen zu tätigen: ‚assess‘!“
  2. Brain-Machine-Interface: Noch viel mehr nach Science-Fiction klingt dieser Trend – ein Sammelbegriff für Technologien, mit denen sich Gehirnmuster zur Steuerung von Hard- und Software nutzen lassen. Inzwischen gibt es zwar beeindruckende Pionier-Veranstaltungen wie etwa ein Drohnen-Rennen, das ausschließlich mit Gedankenkraft gesteuert wurde, doch noch längst keinen Massenmarkt. Dennoch: „Erste Fortschritte bei der Behandlung von Behinderten durch Gehirn-Maschine-Schnittstellen treiben diesen Trend zu einer breiteren Anwendung“, heißt es in der Studie. Versicherer sollten die möglichen Auswirkungen dieser technologischen Entwicklung daher bereits jetzt antizipieren.

Im nächsten Beitrag aus dieser Reihe …

... nehmen wir uns das Trendfeld „Data & AI“ zur Brust: Welche elf Trends verbergen sich dahinter – und welche Anwendungen sind bereits im Einsatz? 

Text: Ingo Schenk

Die englische Version des Textes gibt es hier: Hyperconnectivity: More than just the Metaverse